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2 (1901) Buddenbrooks : Verfall einer Familie ; Roman
Entstehung
Seite
416
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Sitzung? Das ist mal was Neues!" sagte am An-fang der Mühlenstraße Jemand zu ihm, den er nichthatte kommen sehen. Es war Stephan Kistenmaker,der plötzlich vor ihm stand, sein Freund und Be-wunderer, der sich in öffentlichen Fragen jede seinerMeinungen zu eigen machte. Er besaß einen rund-geschnittenen, ergrauenden Vollbart, furchtbar dickeAugenbrauen und eine lange, poröse Nase. Vorein paar Jahren hatte er sich, nachdem er ein gutesStück Geld verdient, von dem Weingeschäst zurück-gezogen, das nun sein Bruder Eduard aus eigeneHand weiterführte. Seitdem lebte er als Privatier;da er sich dieses Standes im Grunde aber ein wenigschämte, so that er beständig, als habe er unüber-windlich viel zu thun. „Ich reibe mich auf!" sagteer und strich mit der Hand über seinen grauen, mitder Brennschere gewellten Scheitel. „Aber wozu istder Mensch auf der Welt, als um sich aufzureiben?"Stunden lang stand er mit wichtigen Gebärden ander Börse, ohne dort das Geringste zu suchen zuhaben. Er bekleidete eine Menge von gleichgültigenÄmtern. Kürzlich hatte er sich zum Direktor derstädtischen Badeanstalt gemacht. Er fungierte emsigals Geschworener, als Makler, als Vormund, alsTestamentsvollstrecker und wischte sich den Schweißvon der Stirn. . .

„Es ist doch Sitzung, Buddenbrook," wiederholteer, „und du gehst spazieren?"

„Ach, du bist es," sagte der Senator leise undmit widerwillig sich bewegenden Lippen. . . „Ich