schwemmte Alles mit der roten, süßen, würzigen Flüs-sigkeit . . . Oder es fiel der geputzte Baum vonseinen hölzernen Füßen, genau in dem Augenblick,wenn man feierlich das Bescheerungszimmer betrat...Im Einschlafen sah Hanno den Unglückssall des vori-gen Jahres vor Augen: Es war unmittelbar vor derBeschwerung. Therese Weichbrodt hatte mit sovielNachdruck, daß alle Vokale ihre Plätze gewechselthatten, das Weihnachtskapitel verlesen und trat nunvon ihren Gästen zurück zur Thür, um von hier auseine kleine Ansprache zu halten. Sie stand auf derSchwelle, bucklig, winzig, die alten Hände vor ihrerKinderbrust zusammengelegt; die grünseidnen Bän-der ihrer Haube fielen auf ihre zerbrechlichen Schul-tern, und zu ihren Häupten, über der Thür, ließein mit Tannenzweigen umkränztes Transparent dieWorte leuchten: „Ehre sei Gott in der Höhe!" UndSesemi sprach von Gottes Güte, sie erwähnte, daßdies ihr letztes Weihnachtsfest sei und schloß damit,daß sie Alle mit des Apostels Worten zur Fröhlich-keit aufsorderte, wobei sie von oben bis unten er-zitterte, so sehr nahm ihr ganzer kleiner KörperAnteil an dieser Mahnung. „Freuet euch!" sagtesie, indem sie den Kopf auf die Seite legte und ihnheftig schüttelte. „Und abermal sage ich: Freueteuch!" In diesem Augenblick aber ging über ihrmit einem puffenden, fauchenden und knisternden Ge-räusch das ganze Transparent in Flammen auf,so daß Mademoiselle Weichbrodt mit einem kleinenSchreckenslaut und einem Sprunge von ungeahnter
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