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1 (1911) Vorarbeit zu einer Geschichte unserer Sippe : Als Ms. gedr. [Hauptw.].
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Handbuchs Bürgerlicher Familien las, dasGedächtnis der Vorfahren mitEhrfurcht zu pflegen, das An-denken der jetzt Lebenden denNachkommen zu erhalten, dieGesamtheit der Sippe im weite-sten Sinne fest aneinander zuschließen, deutsches Wesen in derÜberlieferung des Geschlechtslebendig zu erhalten und für dieZukunft zu festigen. Daß auch diePflege der Familien und ihrer Geschichtepraktischen Wert haben kann, ersieht manaus einer Notiz in:Die Bremer FamilieDeetjen (Bergen Nrw. 1908):Ein HerrDeetjen findet auf einer Geschäftsreiseim Adreßbuch von Edinburgh seinen Na-men; besucht die Trägerin des Namensund wird von ihr später mit einem ansehn-lichen Vermächtnis bedacht. Nament-lich bei Erbschafts-Angelegenheiten, Be-werbungen um Stipendien usw. muß stetsganz genauer Nachweis der Verwandt-schaft geführt werden. Alle mir bekann-ten Stipendien sind im Buche erwähnt.Zieht man nun nach Durchsicht der Auf-zeichnungen einen Schluß auf besondershervortretende Familieneigenschaften, soist allen ein zähes Festhalten vor allemam protestantischen Deutschtum eigen;niemand hat sein deutsches Vaterland auf-gegeben, trotzdem der Wandertrieb un-gemein stark hervortritt; so sind z. B.von den über 50 erwachsenen Görings,die im Stammbaum verzeichnet stehen,nur 2 an dem Ort geblieben, wo derVater lebte und begraben ist, IV. 6. undX. 31; vielleicht war unbewußt dasSprichwort die Triebfeder:Rast ich, sorost ich. Viele Mitglieder waren gerade-zu Pioniere für Preußen, später Deutsch-land: Michael Christian VI. 5 wurde 1735in die Grafschaft Mark gesandt, damalsein exponierter Posten. Heinrich VIII. 7.ging kurz, nachdem Münster i. W. preu-ßisch wurde 1803, dorthin. Peter VIII. 8.gründete in dem 1815 preußisch gewor-denen Düsseldorf 1816 seine Fabrik. CarlIX. 7. kam sofort nach dem Feldzug 1866

in das annectierte Hannover; HeinrichIX. 5. nach dem Kriege 1870/71 nach Alt-kirch und Louis IX. 8. nach Straßburgim Elsaß. Als Deutschland die erste Ko-lonie erwarb, wurde als erster Kolonial-beamter und Reichskommissar HeinrichIX. 5. nach Angra Pequena gesandt. Dreiaus der X. Generation: Wilhelm 6., Carl11. und Carl 18 sind zurzeit als deutscheOffiziere in Afrika; wohl keine kleine Fa-milie weist diese Anzahl auf. Ein wei-teres: Pastoren, Juristen, Mediziner,

Lehrer, Wehr- und Nährstand, Kaufleuteund Fabrikanten sind in unserem Stamm-baum, nur keine Künstler. Ferner gebenuns die Schicksale der eigenen und ver-schwägerten Familien manche Lehre, soz. B. je größer die Stadt, in welcher derWohnsitz gewählt wurde, desto wenigerdie Aussicht, daß die Familie bis zur über-nächsten Generation kräftig blüht, nurwenn Sprossen wieder in kleinere Orteoder aufs Land ziehen, nimmt die Kinder-zahl wieder zu.

Eine liebe Verwandte schrieb in Be-ziehung auf meine Familienforschungenals sie zur Geburt meines Enkels ErnstXII. 2. Glück und Segen wünschte:Mögeendlich der Held entstehen, der dem Na- 'men Göring seit Jahrhunderten gefehlt ;hat, während er sich in anerkennenswer- fter Weise immer in schlicht gleichen Bah-nen ebensoweit von der schiefen Ebene,,wie der höchsten Ruhmesleiter entferntgehalten. Dem gegenüber sagt Karl v.Haase inAnnalen meines Lebens S.276:Es ist auch eine Gottesgabe, einerFamilie anzugehören und ihre Geschichtezu übersehen, die seit drei Jahrhundertenin ihrer bürgerlichen Einfachheit sich ehr-lich durchgeholfen hat.

Möge unser Geschlecht blühen undjeder sich dort, wohin ihn Gottes Willegesetzt hat, bewähren und glücklichfühlen.

Seeburg am Starnbergersee,

30. Mai 1911.

P. Göring.