Zweites Kapitel. Besondere Regeln der Komposition.
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509. Welche besondere Eigenschaft des Briefstils ist zweitenszu beachten?
Der Briefstil hat stets Rücksicht zu nehmen auf denBriefempfänger.
510. Welche Forderungen ergeben sich daraus im einzelnen?
Der Briefstil muß stets das Verhältnis zwischen dem
Briefschreiber und dem Briefempfänger festhalten, fernerebenso des Briefempfängers Lebensstellung, Charakter, Alterund Geschlecht, Bildungsgrad und Fassungskraft, allgemeineDenkungsart und spezielleGemütsstimmung. — kurz, seineganze Persönlichkeit, während er den Brief in derHand hat.
Es fehlt z. B. nicht an Leuten, welche die Anwendung bisjetzt noch üblicher „Titulaturen" bei der Abfassung ihrer Briefegern vermeiden; ja, manche sehen darin eine besondere Befreiungvon Aeußerlichkeiten. In der Regel ist es aber nichts anderes alseigene Unerfahrenheit im Lebensverkehre. Der Briefempfänger isteben daran gewöhnt worden, die ihm nach der bisherigen Weisezukommenden Titulaturen zu lesen; daher ist ihm das Fehlen der-selben ausfallend. Schleicrmacher sagte einst in einem Vortrage:„Damit, daß ich in einem Briefe .Gehorsamer Diener!' sage, istnoch lange nicht gesagt, daß ich des Briefempfängers Bedienterbin!" Fürst Blücher ließ sich von seinen Soldaten gern schlechtweg„Papa!" nennen; wenn es aber etwa einem französischen Generalin vermeintlicher militärischer Derbheit und Kollegialität einfiel, ineinem Briefe an ihn die üblichen Titulaturen wegzulassen, oder miteinem „rc." abzufertigen, so kam wohl eine kurze und derbe Zurecht-weisung zur Antwort.
511. Auf cm wievielfaches ist bei der Abfassung eines Brieseszu achten?
Auf ein zweifaches, nämlich auf die innere und auf dieäußere Einrichtung des Briefes.
512. Was kommt bei der inneren Einrichtung eines Briefesin Betracht?
Jeder vollständige Brief hat fünf Teile, nämlich: 1. An-rede oder Ueberschrift, 2. Eingang oder Einleitung, 3. eigent-lichen Vortrag oder Darlegung des Themas, 4. Schluß,5. Unterschrift.