Zweites Kapitel. Besondere Regeln der Komposition. 147
477. Worin besteht die „Hervorhebung des zusammentönendenAusdrucks"?
Die Bewahrung des zusammentönenden Ausdrucks nenntman in der Musik „Harmonie" und einen Verstoß dagegen„Disharmonie" oder „Mißtöne". Wie nun in der Musikdie Vermeidung von Mißtönen eine erste Forderung ist, sogilt dieselbe auch für den nahverwandten mündlichen unddaher auch für den schriftlichen Ausdruck. Es muß vonbeidem gelten; denn Mißtöne stören hier wie dort den beab-sichtigten Eindruck, sind daher auch in der Rede, wie in derMusik zu vermeiden.
478. Woran müssen wir uns hier vornehmlich erinnern?
Daß es eine stete Forderung war, daß die Korrektur
eine „lesende", noch besser eine „vorlesende" sei.
Wenn ein Fremder dir deine eigene fertige Rede vorliest, sowerden dir die einzelnen Mißtöne in derselben, welche dir selbst bis-her entgingen, deutlich entgegentreten.
479. Worin besteht also der besondere Wert der Stiliibungin Abfassung einer Rede?
Darin, daß eine solche Hebung vorgenommen wird mitdem deutlichsten Bewußtsein sehr wesentlicher Stilübungs-regeln.
Dem Verfasser wiederholte sich noch stets die Erfahrung, daßder Stil seiner Schüler sich wesentlich hob, wenn sie mit leb-haftem Interesse einige Reden schriftlich abgefaßt hatten. AberVerfasser versäumte daneben nicht, sich dieselben entweder vor-lesen zu lassen, oder sie selbst vorzulesen und daran die Kritik zuknüpfen.
b) Gespräche.
480. Wann nennen wir einen schriftlichen Aufsatz ein„Gespräch"?
Sobald man sich die Aufgabe stellt, durch einen schrift-lichen Aufsatz eine Unterredung darzustellen, welche zweioder mehr Personen über einen Gegenstand gehalten haben,mag dies nun wirklich geschehen sein, also von dem Verfasser
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