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Dritter Teil. Komposition.
Sprachrhythnms entgegen ist. So gebrauchen einzelne z. B. die Eigen-schaftswörter „schrecklich", „ungeheuer", "merkwürdig", „schneidig" u.dergl. m. oft und gern in einem Sinne, den dieselben im wirklichenSprachgebrauchs nicht haben, der also an sich schon inkorrekt, mithindem Rhythmus anstößig ist. fVergl. den in dieser Beziehung meister-haften Gebrauch der Adjektive in Goethes „Hermann u. Dorothea".)
474. Wann wird die Anwendung der genannten Rhythmus-regel zum Mißgriff?
Wenn der Verfasser in dem Streben, die Eintönigkeitdes Ausdrucks zu vermeiden, so weit geht, daß dadurch dieDeutlichkeit und Bestimmtheit des Ausdrucks benachteiligtwird; denn die Deutlichkeit und Bestimmtheit sind ersteVoraussetzungen jedes schönen Ausdrucks.
Wie sehr es in dem allgemeinen Wesen der Sprache selbst liegt,daß Eintönigkeit zu vermeiden ist, zeigt sich z. B. darin, daß dieEntstehung und der Gebrauch einer ganzen Wörter-klasse, nämlich der Fürwörter, darauf zum Teil zurückzuführen istss. Sprach!. Fr. 165). Und dennoch zeigt es sich gerade in demGebrauche der Fürwörter sehr oft, daß das Streben nach Vermeidungder zu häufigen Wiederkehr desselben Substantivs zu Mißverständ-nissen führt. So wird erzählt, daß ein berühmter Naturforscher ineinem akademischen Vortrage, als er die Hunde beschrieb, auch denSatz sprach: „Sie lausen alle schief, meine Herren!" wobei es imZusammenhänge sehr zweifelhaft war, ob die „Hunde" oder die„Herren" schief liefen.
475. Welche zweite Ausdehnung ff. Fr. 473) der genanntenRegel ist schließlich noch zu bemerken?
Auch darauf erstreckt sich die Forderung der Vermeidungdes eintönigen Ausdrucks, daß ein Wechsel zwischen ein-und mehrsilbigen Wörtern festzuhalten ist.
Praktisch zeigt sich dies namentlich darin, daß es vermiedenwerden muß, zu viele einsilbige Wörter nebeneinander zustellen; z. B. „Ost ist es recht schwer, das zu thun, was diePflicht uns heißt".
476. Welches zweite Merkmal des rhythmischen Wohlklangswurde genannt?
Wir nannten (s. Fr. 471) „Hervorhebung des zusammen-tönenden Ausdrucks" als das zweite Merkmal des rhyth-mischen Wohlklangs.