Zweites Kapitel. Besondere Regeln der Komposition.
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Mannigfaltigkeit des Ausdruckes ist eine notwen-dige Bedingung der Schönheit. Also sind in demsprachlichen Ausdrucke jedes schriftlichen Aufsatzes, nameutlichaber in dem der Rede, unnötige Wiederholungen derselbenoder doch gleichlautender Ausdrücke zu vermeiden.
Ein Verstoß gegen die genannte zweite praktische Regel ist esalso, wenn z. B. gesagt wird: „Nachdem die alte Zwietracht diealte Stadt in zwei Teile geteilt hatte", es sei denn, daß man diebetreffenden Wörter eben durch die Gleichtönigkeit besonders hervor-hebeu will, daher dieselben auch im mündlichen Vortrage mit ge-hobenem Accente (s. „Satzaccent". Sprachlehre Fr. 636) spricht.Ebendahin gehören Beispiele wie: „Als der Verstorbene seinen letztenGang gegangen war"; oder: „In seiner Freude freute er sich^be-sonders darüber" :c.; oder: „Ein Mann, der der Erscheinung gefolgtwar" rc., wo die Verschiedenheit des Accents (s. Sprach!. Fr. 181)doch nicht hiitlänglich stark ist. die unrhythmische Eintönigkeit derLaute zu bedecken: u. dergl. m.
473. Wie weit erstreikt sich die Forderung, daß eintönigerAusdruck zu vermeiden ist?
Es betrisst die genannte Forderung nicht allein die Ver-meidung nebeneinander stehender gleichtönender Laute, wiedie (Fr. 472) genannten Beispiele zeigen, sondern sie dringtweiter hinaus, und sie verlangt, daß auch nebeneinanderstehende Sätze und Perioden nicht in gleicher Weiseanfangen oder schließen, daß nicht ganze Teile oderAbschnitte in derselben Weise angefügt oder geschlossenwerden, daß nicht im Laufe der ganzen Darstellung derselbeAusdruck zu oft wiederkehrt, es sei denn, daß gerade durchdiese häufige Wiederkehr das betreffende stärker hervor-gehoben werden soll: kurz, die Vermeidung des ein-tönigen Ausdrucks verlangt die möglichste Mannigfaltigkeitdes Ausdrucks.
So wird z. B. oft ein und dasselbe Adjektiv in einer Redeviel zu häufig wiederholt, weil es dem Verfasser zufällig amnächsten liegt, wahrend ein Wechsel des Ausdrucks nicht allein demRhythmus, sondern auch der Klarheit des Ausdrucks entschiedenentspräche. Es kommt hinzu, daß es in solchen Fällen leicht mög-lich ist, daß der zu oft wiederkehrende einzelne Ausdruck ein demVerfasser eigentümlicher ist, also schon an sich dem allgemeinen
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