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Katechismus der Stilistik : eine Anweisung zur Ausarbeitung schriftlicher Aufsätze
Entstehung
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Zweites Kapitel. Besondere Regeln der Komposition.

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463. Worin ist die Regel begründet?

Den sofortigen Eindruck abzumessen und danach Inhaltund Form einer Rede zu bestimmen, wird nur demjenigengelingen, welcher eine klare und bestimmte Vorstellung hatvon der Stellung des Publikums dem in der Rede dar-gestellten Thema gegenüber.

Daß bei der Abfassung jedes schriftlichen Aufsatzes stets andas Publikum gedacht werden müsse, trat uns wiederholt entgegen.Bei der Abfassung einer Rede tritt aber diese Forderung so sehr inden Vordergrund, daß sie uns hier als erste Hauptregel erscheint.

464. Worin beweist sich die Richtigkeit unserer Regel?

Hauptsächlich darin, daß die Reden berühmter und ein-flußreicher Redner je nach der Verschiedenheit des Publikumswesentlich verschieden sind.

Eine Vergleichung der Reden, welche z. B. ein englischer Staats-mann in einem Meeting oder in dem Parlamente hält, giebt davondie deutlichsten Beweise. Den deutschen Rednern fehlt es immernoch vielfach an der notwendigen Uebung imwirklichen" Reden.Die Folge ist, daß auch unsere geistlichen Redner zuweilen zwargenug an das Thema, aber nicht an das Publikum denken.

465. Welche einzelnen Forderungen gehen aus dieser all-gemeinen Regel hervor?

Aus der genannten Regel geht namentlich die Forderunghervor, daß in einer Rede nichts enthalten sein darf, wasdurch seinen Inhalt dem Verständnisse des Publikums ent-zogen bleibt, und nichts, das durch seine Ausdrucksformden Sinn des Publikums zurückstößt.

Nicht in der Weise darf diese nähere Bestimmung verstandenwerden, als könne eine Rede nicht das Verständnis ihres Publikumsweiterzuführen, und als dürfe sie nicht durch eine anreizende Aus-drucksiorm das Interesse ihres Publikums anzuregen bemüht sein.Aber sie muß selbst dasür sorgen, daß alles über das VerständnisHinausliegende demselben nicht entzogen bleibt, und daß die Aus-drucksform, insofern sie den Sinn des Publikums trifft und anregt,diesen nicht zurllckstößt.

466. Weshalb ist diese Forderung eine unerläßliche?

Weil ein Redner nie vergessen darf, daß er durch denraschen Fortgang seiner Rede während derselben seinen