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Dritter Teil. Komposition.
Wenn wir (s. Fr. 306), was die allgemeine Begrenzung desStoffes betrifft, uns an Ritserts „Lehre vom deutschen Stil"angeschlossen haben, so sind wir in diesem Abschnitte allerdingsüber die von ihm innegehaltene Grenze hinausgegangen, sind aberdazu, wie gesagt, durch die stete Rücksicht auf das praktisch Nötigeveranlaßt worden.
458. Wann nennt man einen schriftlichen Aufsatz eine„Rede"?
Man nennt einen schriftlichen Aufsatz eine „Rede", wennder Verfasser bei der Abfassung eines schriftlichen Aufsatzesden Zweck stets festhält, daß derselbe mündlich vorgetragenwerden soll, oder doch die Abfassung so regelt, als hättedieselbe den genannten Zweck.
459. Worauf kommt es bei der Feststellung der einzelnenpraktischen Regeln zuvörderst an?
Daß man sich die unterscheidenden Merkmale sagt, durchwelche ein Aufsatz, dessen nächste Bestimmung es ist, gehörtzu werden, sich von einem Aussatze unterscheidet, dessennächste Bestimmung es ist, gelesen zu werden.
460. Welche Merkmale sind demnach festzuhalten?
Zunächst zwei, nämlich daß eine Rede einen augenblick-lichen Eindruck machen, und daß sie dem Ohre gefallen will.
461. Was heißt es: „Eine Rede will eine» augenblicklichenEindruck machen"?
Es wäre vielleicht ein mehr treffender Ausdruck gebrauchtworden, wenn gesagt wäre: „Eine Rede will einen sofortigenEindruck machen!" Denn „augenblicklich" in dem Sinne„bald vorübergehend" war nicht gemeint. Bei dem münd-lichen Vortrage eines Aufsatzes wird dem Hörer nicht Zeitgegeben, über das einzelne, was erhört, sofort nachzudenken,also muß dasselbe in solcher Weise gegeben werden, daß esden sofortigen Eindruck in sich selbst trügt.
462. Welche praktische Regel ergiebt sich daraus?
„Bei der Abfassung einer Rede halte dir Publikum undThema stets lebendig vor Augen!"