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Katechismus der Stilistik : eine Anweisung zur Ausarbeitung schriftlicher Aufsätze
Entstehung
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Zweites Kapitel. Besondere Regeln der Komposition.

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390. Wodurch genügt eine Schilderung dem Merkmale derSchönheit?

Wir sagen im allgemeinen: „Schön ist jedes, dessenäußere Form dem inneren Wesen entspricht!" und wir leitenunser natürliches Gefühl für Schönheit einfach daraus ab,daß unser innerer Sinn eben eine solche Uebereinstimmungdes Aeußern und Innern, als seinem ursprünglichen Lebenentsprechend, fordert. Damit ist die aufgeworfene Frage nachihrem objektiven Gehalte beantwortet. Aber dieselbe hatauch, als die Erweckung eines lebhaften Interesses bezweckend,ihre subjektive Seite, d. h. sie muß darauf berechnet sein, derEinbildungskraft des Lesers zu genügen.

39!. Wie sind danach schließlich Beschreibung und Schilderungzu unterscheiden?

Die Beschreibung will belehren und überzeugen, dieSchilderung will unterhalten, ergötzen, rühren re.

392. Was ist ferner über den Stufengang der beziehlichenStilübung im allgemeinen zu bemerken?

Wie sich uns in der Stilübung des Erzählens vom ein-fachen Abschreiben bis zur ganz freien Erzählung ein fest-geschlossener Stufengang zeigte (s. Fr. 342 ff.), so muß sichuns bei der Stilübung des Beschreibens ein ähnliches zeigen;denn wir haben beide Aufgaben als zwei Seiten einerAufgabe erkannt. Deshalb kann auch ein beschreibenderAufsatz selten ohne eine erzählende Ausführung, ein erzählen-der nicht ohne einen beschreibenden Abschnitt sein. Das Sein,die Aufgabe des Beschreibens, und das Thun, die Aufgabedes Erzählens (s. Fr. 376), liegen eben für unsere Auf-fassung und Darstellung in- und nebeneinander.

393. Wie finden wir die einzelnen Stufen in der Stilübnng-es Beschreibens?

Durch eine Beschreibung soll eine einzelne Person oderSache in ihrem Einzelsein neben den übrigen Personen oderSachen dargestellt werden. Danach muß die höhere oderschwierigere Stufe, auf welche also nur dann mit Sicherheit