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Dritter Teil. Komposition.
386. Wann sagt eine Schilderung dem inneren Sinne desLesers zu?
Sobald sie dem Bewußtsein oder dem Gefühle für Schön-heit entspricht; denn dieses lebt in dem inneren Sinne jedesMenschen. Daher erweckt alles, was in schöner Form unsenlgegentritt, unser Interesse.
387. Wie verhält sich diese vierte Forderung zu den vorhcr-genannten drei Forderungen?
Wie wir sahen, daß eine Form der Schilderung nichtschön genannt werden könne, sobald sie den Merkmalen derAnschaulichkeit, Treue und Vollständigkeit widerspreche, somuß es auch umgekehrt festgehalten werden, daß eine Be-schreibung, eben weil sie ein „schriftlicher Aufsatz", also einKunstwerk ist, nie unschön sein darf. Der Unterschied bestehteben darin, daß bei einer Beschreibung die genannten dreiMerkmale, bei einer Schilderung das Merkmal der Schön-heit als Hauptforderung an die Spitze tritt.
388. Wie verhalten sich die besonderen Zwecke der Beschreibungund Schilderung zu einander?
Was zur Belehrung dienen will, kann die Erweckungeines lebhaften Interesses nie beiseitesetzen, und was leb-haftes Interesse zu erwecken berechtigt sein will, muß auchdie Belehrung im Auge behalten. Daraus erklärt es sich,daß die Sphären der Beschreibung und der Schilderung sosehr ineinander eingreifen, daß es im einzelnen Falle oftschwer ist, darüber zu entscheiden, ob ein schriftlicher Aufsatzeine Beschreibung oder eine Schilderung ist. Schließlichkommt es nur auf das subjektive Urteil an, ob diese oderjene der zwei Forderungen mehr hervortritt.
389. Weshalb ist dennoch bei der Stiliibung das Festhalte»der besprochenen Unterscheidung stets notwendig?
Weil jeder schriftliche Aufsatz nur gelingen kann unterder Voraussetzung, daß der Verfasser den Zweck seiner Dar-stellung fest und klar im Auge behält (vergl. Fr. 14).