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Katechismus der Stilistik : eine Anweisung zur Ausarbeitung schriftlicher Aufsätze
Entstehung
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Dritter Teil. Komposition.

378. Wann nennen wir eine Beschreibung treu?

Wenn der Beschreibende den Gegenstand im ganzen undeinzelnen so, wie er ist, darstellt, also seiner subjektiven Auf-fassung des Gegenstandes keine wesentlichen Umgestaltungengestattet.

379. Warum ist eine Beschreibung eines Gegenstandes nie sotreu, daß sie die eigene Anschauung desselben ersetzen kann?

Weil jede Beschreibung durch die Auffassung des Beschrei-benden hindurchgehen muß, es daher unvermeidlich ist, daßihr nicht einzelnes eben nur Subjektive anklebt. Es kanndaher eine Beschreibung schon dann auf das Merkmal derTreue Anspruch machen, wenn sie frei ist von wesentlichenUmgestaltungen.

380. Welche Praktische Regel ergiebt sich uns endlich aus derdritten Forderung?

„Beschreibe einen Gegenstand also, daß kein wesentlichesMerkmal fehlt!"

381. Wann ist ein Merkmal ein „wesentliches" zu nennen?

In der Logik oder Denklehre nennt man ein Merkmal

ein „wesentliches", sobald es dem Wesen einer Person oderSache also angehört, daß diese ohne dasselbe nicht mehr ihrerGattung angehört. Allein in der Rhetorik oder Stillehrenennt man jedes Merkmal ein „wesentliches", ohne welchesein einzelnes Individuum neben, den übrigen seiner Gattungnicht bestimmt zu erkennen ist.

So ist cs z. B. logisch ein wesentliches Merkmal, daß ein Menscheine vernünftige Seele hat: daher kann man bei der Beschreibungeines einzelnen Menschen dieses Merkmal auslassen, weil es in demWorte „Mensch" mitgesetzt ist. Dagegen fordert die Rhetorik oderStillchre, daß bei einer solchen Beschreibung z. B. das Merkmal„blonde Haare" angegeben wird, weil dies dazu dient, das betreffendeIndividuum neben den übrigen Individuen zu unterscheiden. Andenselben rhetorischen Begriff müssen wir uns erinnern, wenn Fr. 379von „wesentlicher Umgestaltung" die Rede war.