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Katechismus der Stilistik : eine Anweisung zur Ausarbeitung schriftlicher Aufsätze
Entstehung
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Zweites Kapitel. Besondere Regeln der Komposition.

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365. Welches ist das wesentliche Mittel, dnrch welches derEinbildungskraft der zu einer Beschreibung nötige Stoff dar-gereicht wird?

Das nächste Mittel, durch welches der zu einer Beschrei-bung eines nicht selbst gesehenen Etwas nötige Stoff derEinbildungskraft zugeführt wird, sind Bilder!

366. Woran muß man sich aber dem Gebrauche von Bilderngegenüber stets erinnern?

Daran, daß ein Bild den betreffenden Gegenstand in derFläche sehen läßt, während er in der wirklichen Anschauungeinen Raum einnimmt; daß das Bild ihn tot zeigt, währenddie eigne Anschauung ihn gerade in seinen Lebensäußerungenwahrnimmt; und endlich daran, daß das Bild in der Regelgenötigt ist, einen vielfach veränderten, meist verkleinerten,Maßstab anzuwenden.

Es ist daher sowohl uns selbst gegenüber, als auch von seitender Lehrer ein Mißgriff, welcher aber oit gemacht wird, daß einemit Hilfe von Bildern gegebene Anschauung im stände sein soll, dieeigene Anschauung zu ersetzen. Dieser Mißgriff erklärt sich übrigensaus einer schiefen Ausfassung der Raumlehre und ihrer Gesetzevollständig.

367. Welche praktische Regel für die betreffende Stilübungergiebt sich daraus?

„Wenn du einen Gegenstand zu beschreiben hast, so be-gnüge dich nicht mit Bildern, sondern lasse, wo möglich, dieeigene, nochmalige Anschauung der Abfassung vorhergehen!"

368. Warum wird eine „nochmalige" Anschauung verlangt?

Weil wir zu der, für eine Beschreibung ausreichenden,

hinlänglich sorgsamen Anschauung uns erst dann zu be-quemen Pflegen, wenn der bestimmte Zweck einer solchenBeschreibung uns dazu anspornt.

369. Worin zeigt sich uns die stete Dürftigkeit der durchBilder vermittelten Anschauung?

Darin, daß wir an uns selbst und auch an etwaigenSchülern jedesmal von neuem die Erfahrung machen, daß

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