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Dritter Teil. Komposition.
861. Wie viele Arten von Beschreibungen ergeben sich ausder verschiedenen Art, wie wir zu dem nötigen Stoffe gelangen?
Wir haben „Wiedererzählung" in der Bedeutung, daßSelbsterlebtes erzählt werde, und „freie Erzählung" in derBedeutung, daß als geschehen Gedachtes erzählt werde, alszwei Arten der Erzählung unterschieden. Ebenso müssenwir auch diejenige Beschreibung, deren Gegenstand von unsselbst angeschaut wurde, und diejenige, bei welcher wiruns das nötige Bild erst selbst mit Hilfe unserer Ein-bildungskraft verschaffen müssen, voneinander unter-scheiden.
362. Wie verhalten sich beide Arten der Beschreibung zueinander in Beziehung auf den Stufengang in der Stilübung?
Wie die Wiedererzählung der freien Erzählung vorher-geht, so zeigt sich dasselbe Verhältnis zwischen der Beschrei-bung angesehener und nicht gesehener Dinge.
363. Welche Regel ergiebt sich daraus?
„EinenichtunbedeutendeUebungim Beschreiben gesehener
Dinge muß notwendig vorhergehen, bevor die Aufgabe einerBeschreibung nicht gesehener Dinge gelingen kann!"
364. Wodurch erleidet diese Regel in der Praxis eine wesent-liche Einschränkung?
Dadurch, daß es so vielfache Mittel giebt, der Ein-bildungskraft den ihr nötigen Stoff ausreichend darzubieten,während wir uns an das zu einer Beschreibung notwendigeAbstrahieren bei der eignen Anschauung nur allmählichgewöhnen.
Zwei Lehrer waren verschiedener Meinung, ob für eine betreffendeSchulklasse das Thema „Beschreibung eines Löwen", von welchemkein Kind eine eigene Anschauung hatte, oder das Thema: „Be-schreibung des grünen Wasscrfrosches", den die Kinder täglich sahen,das schwierigere sei: die Erfahrung würde sofort die Entscheidungdabin abgegeben haben, daß, abgesehen von dem objektiven Gelingen,der erste Aufsatz den Schülern viel leichter wurde als der zweite.