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Katechismus der Stilistik : eine Anweisung zur Ausarbeitung schriftlicher Aufsätze
Entstehung
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Zweites Kapitel. Besondere Regeln der Komposition.

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Daher ist ein Verb die einfachste Form einer Erzählung, z. B.„es regnet", ein Substantiv die einfachste Forni einer Beschreibung,z. B. „der Hund".

358. In welcher Regel zeigt sich uns dasselbe Verhältnisder Erzählung und der Beschreibung in der praktischen Stillehre?

„Eine nicht unbedeutende Hebung im Erzählen muß not-wendig vorhergehen, bevor die Aufgabe einer Beschreibunggelingen kann!"

Eine Umkehrung dieses natürlichen Verhältnisses ist in der prak-tischen Stillehre ein entschiedener Mißgriff. Dennoch wird derselbenicht selten begangen, weil ein Lehrer, dem die Sache noch nicht klargeworden ist, leicht, seiner Hebung im Abstrahieren wegen, zu derMeinung kommt, es sei leicht, von einem Etwas, das man oft ge-sehen, zu sagen, was es ist. Es wird aber vergessen, daß wir nichtsehen, was ein Ding ist, sondern was ein Ding thut, und daßwir zu der Ausfassung dessen, was ein Ding ist, erst dann gelangen,wenn wir von dem, was es thut, abstrahieren.

359. Wie zeigt sich in jedem einfachen Beispiel dasselbe Ver-hältnis zwischen Beschreiben und Erzählen?

Darin, daß wir jeden einzelnen Stoff zu einer Beschrei-bung aus einer entsprechenden Erzählung holen müssen, ob-gleich solches freilich, je nachdem unsere abstrakte Denkübungerstarkt, immer unmittelbarer geschieht.

Um z. B. in einer Beschreibung zu dem einfachen Merkmale,„daß ein Hund vier Beine hat", zu gelangen, müssen wir die Er-zählung, „daß der Hund läuft", abstrakt zerlegen, bis wir die Ursachedes Laufens rc. finden.

360. Welche Arten der Beschreibung sind zu unterscheiden?

Die verschiedenen Arten der Beschreibung ergeben sich

aus dem verschiedenen Stoffe derselben, d. h. aus der ver-schiedenen Art, wie wir in den Besitz des nötigen Stoffesgelangen, und aus ihrem verschiedenen Zwecke, d. h. aus derverschiedenen Form, deren wir uns um des verschiedenenZweckes willen bedienen.

Michelsen, Stilistik. S. Auil. 8