Druckschrift 
Katechismus der Stilistik : eine Anweisung zur Ausarbeitung schriftlicher Aufsätze
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Dritter Teil. Kompvsilion.

9 t

s) Fünfte Ucgel.

279. Wie lautet die fünfte allgemeine Kompositionsrcgel?

„Entwöhne dich des Kladdeschreibens, aber nicht des

Wiederüberarbeitens!"

280. Wodurch wird diese Regel begründet?

Aus dem Verlangen nach saubrer und schöner Schrift :e.entwickelt sich in der Regel die Gewohnheit des „inKladde"-Schreibens. Sobald dieses Verfahren aber, welches alsAushilfe in einzelnen Fällen gelten mag. zur „Gewohnheit"wird, bewirkt es nach beiden Seiten hin das Entgegengesetztevon dem. was es bewirken sollte; indem es durch die Machtder Gewöhnung den Schreibenden zur Unsauberkeit, Un-korrektheit re. verführt, und schließlich seine Schrift vordiesen Mängeln nicht bewahrt.

Die Ausrede: „Es ist nur Kladde!", mit der jeder Kladde-schreibende sich bald vor sich selbst und anderen rechtfertigt, hat den-selben Sinn, als wenn jemand meint, in seinem Hause unsaubereinhcrgehcn zu können, wenn er nur in „Gesellschaften" sauber undgeputzt erscheine.

281. Wie steht es aber mit dieser fünften Regel der „Korrekt-heit" gegenüber?

Man meint, es sei notwendig, daß der Schreibende, umeine korrekte Schrift zu liefern, erst: „kladden" müsse,damit er später Gelegenheit habe, die in die Kladde hinein-geschriebenen Fehler wieder herauszukorrigieren. Aber manvergißt dabei, daß es dieselbe Person ist, welche die Kladdeschreibt, und welche korrigiert, daß es jedenfalls der kürzereWeg ist, die betreffenden Fehler n. s. f. gar nicht zu schreiben,und daß es außerdem eine bekannte Sache ist, daß jeder übereinmal geschriebene Fehler leicht hinwegsieht.

282. Wie steht es aber dabei um den raschen und lebendigenFortgang der Komposition?

Aus der so ziemlich allgemeinen Gewöhnung geht dienicht weniger allgemeine Meinung hervor, man müsse eben