Erstes Kapitel. Allgemeine Regeln der Komposition.
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Form dem Leser vorzuführen, daß der beabsichtigte Eindruckdurch die Form nicht nur nicht verhindert, sondern gefördertwerde.
Wer schon die Erfahrung machte, eine wie große Empfehlungin einem, wenn auch nicht schönen, so doch „empfehlenden Aeußeren"liegt, der wird auch seinem Aufsätze dasselbe wünschen müssen.
277. Welche „kalligraphische" Forderung steht bei der Ab-fassung eines schriftlichen Aufsatzes unerläßlich fest?
Zuerst die Forderung, daß die Handschrift lesbar, oder,wie unsere Sprachlehre (s. Fr. 610) es genannt hat, „ortho-graphisch" ist; und zweitens die Forderung, daß die Schriftin jeder Hinsicht reinlich und sauber ist.
Es findet sich bisweilen, daß eS dem einen oder andern Schülernicht allein schwer wird, die Reinlichkeit und Sauberkeit in seinen„schriftlichen Aussätzen" festznhalten, sondern daß er sogar, beimangelhafter oder verschrobener Erziehung, in der Unterlassung derBefolgung genannter unerläßlicher Forderung den Ansdruck eines„genialen" Wesens sieht. Aber es ist diese Genialität dieselbe,welche dem Sokrates die bekannte Aenßernng in den Mund gelegtbaben soll, als er sah, daß einer seiner Schüler, um seine Un-abhängigkeit von äußeren Dingen zu zeigen, so eitel war, im zer-rissenen Mantel einherzugehcn. Ein Lehrer, welcher unsauber geschriebene „deutsche Aufsätze" znrückweist, thut damit eben nichtsanderes, als daß er verlangt, die Schüler sollen gewaschen :e. indie Schule kommen.
278. Wann treten die „kalligraphischen" Forderungen zwie-fach hervor?
Es treten diese „kalligraphischen" Forderungen zwiefachhervor, sobald der schriftliche Aufsatz irgendwie die Persondes Verfassers direkt zu vertreten hat: also namentlich inSchulaufsätzen, Briefen, Rechnungen w.
Die Lebensgeschichte manches Mannes, der sich emporschwang,beweist, daß die äußere Sauberkeit seines Schreibens rc. einen vielgrößeren Einfluß ans sein Emporkommen geübt hat, als man dem-selben einzuränmen geneigt sein möchte. Ebenso müssen die Lehrerzugcstehen, daß derselbe deutsche Aufsatz, sauber und schön geschrieben,einen weit günstigeren Eindruck macht, als wenn derselbe unsauber,oder auch nur unschön geschrieben ist.