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Katechismus der Stilistik : eine Anweisung zur Ausarbeitung schriftlicher Aufsätze
Entstehung
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Zweites Kapitel. Innerliches Zurcchtlcgcn des gesammelten Stoffes. 8 1

244. Soll damit ein Verhehlen des Zweckes eines Aufsatzesals zulässig empfohlen sein?

Keineswegs, sondern es soll nur daraus hingewiesenwerden, daß es psychologisch unangemessen, mithin auchzweckwidrig (s. Fr. 163 ff.) sein kann, dasjenige Ziel, zuwelchem der Aufsatz erst schließlich hinführt, schon im An-fänge desselben vorwegzunehmen.

245. Wann ist eine solche psychologische Unangemessenheitanzunehmen?

Wenn die vollständige Klarlegung des Zweckes im Neber-gange zu früh kommt, weil das Publikum noch nicht hin-länglich vorbereitet ist, entweder in Beziehung auf den Um-fang seines Wissens, oder in Beziehung auf einen in ihmzu bekämpfenden Widerstand.

Wenn z. B. das Thema zu behandeln wäre:Rede Casars anseine Soldaten vor dem Uebergange über den Rubikon", so würdedie vollständige Klarlegung des Zweckes bereits im sogenanntenUebergange dem Cäsar, wenn er es läse, ein Lächeln über denSchulredner" abnötigen. Aehnliche, wenn auch minder scharf hervor-tretende Beispiele findet jeder, welcher zu suchen versteht und selberempfunden hat, wie zeit- und interesseranbend s. g. Ankündigungenim Aussatze sind.

I) illickblitit.

246. Welche Regel tritt uns nun, indem wir über die Auf-gabe des Tisponiercns zurückblicken, als die allgemeinste und stetigeentgegen?

Wer einen guten Aufsatz machen lernen will, der übesich sorgsamst im Disponieren!"

247. Woraus crgiebt sich die Notwendigkeit dieser Regel?Wenn irgendwo, so gilt es für die Abfassung schriftlicher

Aufsätze, daßUebung den Meister macht!"

Wer gute Aussätze meint schreiben zu können, ohne sich imDisponieren zuvor geübt zu haben, der mag in der Schule einegroße Reihe Seiten voll schreiben können, weil des Lehrers An-deutungen ihm notdürftig das eigne Disponierenkönnen ersetzen,Michelsen, Stilistik, g. Aust. 6