Druckschrift 
Katechismus der Stilistik : eine Anweisung zur Ausarbeitung schriftlicher Aufsätze
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Zweites Kapitel. Innerliches Zurcchtlegen des gesammelten Stoffes. 76

der Schluß geleitet den Leser aus dem Kreise des Themasin seinen gewöhnlichen Lebenskreis zurück.

219. Welche einzelnen Regeln für die Disposition des Schlussesergeben sich daraus?

aa)Wenns notthut, fasse schließlich den Faden derDarstellung zusammen!"

220. Worin findet diese Regel ihre Begründung?

Die Darlegung eines Themas in einem Aufsatze geschiehtdurch die Ausführung desselben in das Einzelne hinein.Soll die durch eine solche Darlegung in dem Leser hervor-gerufene Stimmung im vollen Maße in seinem späterenLeben von Bedeutung sein und nicht bloß in einzelnen Bruch-stücken in ihm fortleben, so muß durch den Aufsatz selbstdafür gesorgt sein, daß das Einzelne wiederum als einGanzes zusammengefaßt werde. Es liegt auf der Hand, daßdiese Aufgabe dem Schlüsse zufällt.

221. Weshalb wurde obiger Regel die BedingungWennsnotthut" hinzugefügt?

Wenn die Darlegung eines Aufsatzes in das einzelnehinein stets in solcher Weise geschah, daß der Faden desGanzen nicht verloren ging, so ist die schließliche Zusammen-fassung überflüssig und darum zugleich zweckwidrig, weilein nochmaliges gedrängtes Vorführen des Ganzen, wenn esnicht notthut, den Ueberdruß des Lesers hervorruft, mithinzur Abschwächung, anstatt zur Kräftigung des gemachtenEindruckes dient.

222. Weshalb läßt sich aber über diese notwendige Begren-zung unserer ersten Schlußrcgel eine objektiv feste Bestimmungnicht geben?

Weil es bei der Entscheidung der Frage, ob bei der Be-endigung der Darstellung der Faden des Ganzen vom Lesernoch festgehalten werden wird, zugleich auf die Fassungs-kraft und Aufmerksamkeit des Lesers ankommt.

Es ist z. B. manches geistlichen Redners Weise, jedesmal beidem Schlüsse seiner Predigt das Ganze noch einmal zusammen-