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Katechismus der Stilistik : eine Anweisung zur Ausarbeitung schriftlicher Aufsätze
Entstehung
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Zweites Kapitel. Innerliches Zurechtlegen des gesammelten Stoffes. 67

subjektiven Gründen, d. h. NM des Lesers willen, voraus-zusetzen sein und muß durch die Einleitung je nach ihrerbesondern Art bekämpft werden.

194. Welche objektiven Gründe der Mißstimmung gegen einThema lassen sich voraussctzen, und wie sind dieselben zu beseitigen?

Es kann der Fall vorliegen, daß ein Thema durch seineForm oder durch seinen Inhalt als Mißstimmung gegenseine Darstellung hervorrufend angesehen werden muß. Imersteren Falle muß aus der Form, im letzteren aus dem In-halte dasjenige, wodurch die Mißstimmung hervorgerufenwird, wenn auch nicht beseitigt, so doch erschüttert werden.

Es kann z. B. ein Thema durch seine Form paradox sein, d. h.der gewöhnlichen Meinung entgegen, und dadurch MißstimmungHervorrufen. In diesem Falle ist durch die Einleitung die paradoxeForm insoweit auszulösen, daß in dem Leser Zweifel an der Richtig-keit der gewöhnlichen Meinung angeregt werden. Z. B. Thema:Nur der Gehorsam ist frei!" Einleitung:Was ist Gehorsam?"Oder es kann z. B. der Inhalt eines Themas trivial, d. h. sovielfach schon besprochen sein, daß eine Mißstimmung gegen einferneres Besprechen nahe liegt. Dann ist durch die Einleitung aufirgend eine gewöhnlich übersehene Beziehung hinzuweisen. Z. B.Thema:Nutzen der Buchdruckerkunst". Einleitung:AllgemeinesVerhältnis der jetzigen Schulmethode zu der früheren" u. dergl.

195. Weshalb wurde behauptet, cs dürse der Grund derMißstimmung durch die Einleitung zwar wohl erschüttert, abernicht beseitigt werden?

Wenn die Einleitung den Grund der vorauszusetzendenMißstimmung vollständig beseitigt, so wirkt sie gegen ihreneignen Zweck, indem sie alsdann der Darstellung eine wesent-liche Aufgabe vorwegnimmt, mithin dieselbe als überflüssigerscheinen läßt. Und dennoch ist gerade in diesem Mißgriffeder Einleitung sehr oft der Grund zu suchen, weshalb eseiner Darstellung nicht gelingen will, ein lebhaftes Interessefür sich zu erringen.

Wenn man z. B. bei der Darstellung des Themas:Nur derGehorsam ist frei!" (s. Fr. 194) in der Einleitung nachweist, wiedie BegriffeGehorsam" undFreiheit" sich in höherer Auffassung