66
Zweiter Teil. Disposition.
daß der Schreibende dasjenige Gefühl, welches erdurch seinen Aufsatz im Leser Hervorrufen will,selbst vorauf fühlt.
Allerdings ist es eine bekannte Thatsache, daß der Verfassereines Buches die „Vorrede" in der Regel erst zuletzt schreibt, ofterst dann, wenn sein Buch bereits gedruckt vor ihm liegt. Aberdie Vorrede ist auch kein wesentlicher Teil des Buches, indem derVerfasser sich in derselben selbst als Leser seinem Buche gegenüber-stellt, weil er den übrigen Lesern den Standpunkt anzugeben wünscht,auf welchem er bei der Abfassung seines Buches stand.
190. Woraus ergeben sich die einzelnen für den Entwurf zuder Disposition einer Einleitung nötigen Regeln?
Wir könnten sagen, die einzelnen Regeln, nach denen eineDisposition einer Einleitung zu entwerfen sei, müßten zwie-facher Art sein, indem sie entweder aus der besondern Be-schaffenheit des Themas, oder des Lesers herzuleiten seien.Aber wir haben (s. Fr. 185) gesehen, daß diese objektive undsubjektive Beziehung in der Anwendung sich vereinigen, undso läßt uns die eine Frage: „In welcher Weise haben wirin dem Leser die dem vorliegenden Thema entsprechendegünstige Stimmung hervorzurufen?" die nötigen einzelnenRegeln finden.
191. Welche einzelnen Regeln ergeben sich ans dieser Frage?
Eine dreifache Antwort auf jene Frage ist möglich, indem
ein dreifacher Fall möglich ist. Es findet sich nämlich ent-weder in dem Leser eine Mißstimmung gegen das Thema,oder eine Gleichgültigkeit, oder eine Geneigtheit, die abernoch eine Verstärkung wünschenswert macht.
192. Wie lautet demnach die erste Regel?
„Entferne durch die Einleitung die etwaige Mißstim-mung, welche in dem Leser die günstige Aufnahme deinesAufsatzes hindert!"
193. Unter welchen Bedingungen ist eine solche Mißstimmunganzunehmen?
Eine solche Mißstimmung kann wiederum entweder ausobjektiven Gründen, d. h. um des Themas willen, oder aus