Zweites Kapitel. Innerliches Zurcchtlegen des gesammelten Stoffes. 53
148. Weshalb wird die Aufgabe einer „Beschreibung" durchdie Hinzufiigung des Zweckes erleichtert?
Weil durch die Hinzufügung des Zweckes die rein ab-strakte Aufgabe konkret bestimmt wird. Denn wenn ich zueinem bestimmten Zwecke einen Gegenstand beschreibe, so istder Zweck ein Fingerzeig, wie ich die einzelnen Merkmaledes Gegenstandes zn suchen und vorzuführen habe.
Darin liegt es, daß die genannte Schwierigkeit nur bei reinbeschreibenden Aufsätzen hervortritt, während sich ein beschreibenderAbschnitt, mehr oder minder ausgeführt, in jedem Aussatze findet,aber ohne die genannte Schwierigkeit, weil der übrige Inhalt desThemas den Zweck des beschreibenden Abschnittes vollkommen klarsein läßt.
149. Weshalb ist aber die bewußte und bestimmte Hinzufügungdes Zweckes auch bei einem „erzählenden" oder „abhandelnden"Thema notwendig?
Weil die Hinzufügung des Zweckes auch einem erzählen-den oder abhandelnden Thema gegenüber stets wesentlich zurVerwirklichung, d. h. zur Bestimmung und Belebung, dient.
Wenn man z. B. über das Thema „Die Kreuzzüge" einenerzählenden Aufsatz zu liefern hätte und dabei den Zweck sesthielte,die industrielle Blüte Deutschlands im sechzehnten Jahrhundert durchjene Erzählung hauptsächlich klar zu legen, oder wenn man überdas Thema „Vergleichung der Geschichte Deutschlands mit derFrankreichs und Englands" einen abhandelnden Aussatz zu liefernhätte und dabei etwa den speziellen Zweck festhielte, durch jene Ver-gleichung es darzulegen, wie für die Entwickelung eines Landes nurdiejenige Industrie eine vollkommen gesunde sei, welche die Ver-arbeitung eines einheimischen Rohmaterials sich zur Aufgabe stellt:so würden sowohl der erzählende, wie der abhandelnde Aufsatz anKlarheit und Leben, folglich auch an spannendem Interesse, gewinnen.
150. Woran erkennen wir schließlich die hervortrctende Not-wendigkeit der Hinzufügung eines bestimmten Zweckes?
Daran, daß wir nicht allein bei allen nachfolgendenpraktischen Dispositionsregeln, sondern auch bei der Kom-position selbst uns immer wieder auf die genannte erste Dis-positionsregel zurückgeführt sehen.