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Katechismus der Stilistik : eine Anweisung zur Ausarbeitung schriftlicher Aufsätze
Entstehung
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Erstes Kapitel. Allgemeine oder stetige Aufgabe der Invention. 29

81. Aus welchen Quellen schöpfen wir also im allgemeinenden zur Ausarbeitung schriftlicher Aufsätze nötigen Stoff?

Es hängt solches von der Beschaffenheit des nötigen Stoffes,mithin von dem verschiedenen Wesen der Themata ab.

Ein Aufsatz ist eine künstlerische Darstellung. Ein Künstlerstellt einen in ihm lebenden geistigen Stoff mit Hilfeeines gegebenen materiellen Stoffes in einem bleiben-den Bilde dar. Die einzelnen Künstler unterscheiden sich im all-gemeinen eben nur durch den verschiedenen Stoff, dessen sie sich zurDarstellung der in ihnen lebenden Ideen bedienen. Der Dichtergebraucht die rhythmisch geregelte Sprache, der Musiker die Töne,der Bildhauer den Stein, die Maler die Farben. In derselben Weisemüssen wir aus der verschiedenen Art des Stoffes, dessen wir unsim allgemeinen zur künstlerischen Ausarbeitung schriftlicher Aufsätzebedienen, die verschiedenen Quellen aufzufinden suchen, aus denenwir den betreffenden Stoff holen müssen.

82. Wie viele Arien des zur Ausarbeitung schriftlicher Auf-sätze nötigen Stoffes sind im allgemeinen zu unterscheiden?

Zwei Arten, der historische Stoff, welcher uns vonaußen her überliefert wird, und der logische Stoff, welcheraus dem menschlichen Denken selbst, dem eigenen oder fremden,geschöpft wird.

83. Wie viele Arten von schriftlichen Aussätzen ergeben sichdaraus?

In derselben Weise zwei Arten, nämlich historische undlogische Aufsätze.

84. Wie verhalten sich diese Arten von Aussätzen zu den inder Einleitung (Fr. Ivff.) genannten Arbeiten?

Jeder historische Aufsatz ist relativ eine Wiedererzählung,während der logische relativ ein freier Aufsatz ist. Fernerist seinem allgemeinen Wesen nach der historische Aufsatz einbeschreibender oder erzählender, dagegen der logische einabhandelnder, während der schildernde (Fr. 13, u) zwischenbeiden in der Mitte steht. Fragen wir endlich nach den Artender dritten Gattung (Fr. 10, 15), so wiederholt sich hierdieselbe aus der Mannigfaltigkeit des Zweckes hervorgehende