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Katechismus der Stilistik : eine Anweisung zur Ausarbeitung schriftlicher Aufsätze
Entstehung
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Erstes Kapitel. Allgemeine oder stetige Aufgabe der Invention. 25

bei wird meistens nur bedauert, daß das Merkbuch nicht schon infrüher Jugend, (aber es ist auch heute noch nicht zu spät!) angelegtund treu fortgeführt worden. Wer einen schriftlichen Aufsatz aus-zuarbeiten hat, aber verdrießlich, den Kopf gestützt', dasitzt und Zeitund Stimmung verliert, weil er zwar über das Thema schon mancherleierlebte, sah, hörte oder las, aber das Was? Wie? und Wo? nichtmehr weiß, dem fehlt ein Merkbuch!

69. In welcher äußern Form sind die einzelnen Notizen indas Merkbuch cinzutragcn?

In der Form von Notizen, also kurz und bestimmt, aberzugleich mit allen den Einzelheiten versehen, die ein einzelnesErlebnis, oder eine einzelne, unmittelbare und mittelbare,Wahrnehmung erst zu einer wirklichen machen, und dochspäter aus unserem Gedächtnis verschwinden.

Zu diesen äußerlichen Einzelheiten gehört z. B., wenn wir dasBetreffende erlebten, das Wann? das Wo? re.; wenn wir es hörten,das Von wem? das Wie? :c.; wenn wir es lasen, Titel und Seitedes Buches rc.: namentlich das: wo gelesen? von wem gehört? wirdmit zunehmendem Alter zuerst zweifelhaft.

70. Was gehört zu der treuen Fortführung des Merkbuches?(S. Fr. 67.s

Daß wir uns die unablässige Fortführung des Merk-buches anfänglich als einen heilsamen Zwang auferlegen.Denn später treibt uns der reiche Gewinn schon von selbstzur Fortführung an.

Es mag immerhin manchmal kürzere oder längere Zeit vergehen,ohne daß unserem Merkbuche eine Bereicherung zu teil wurde; aberauch an notizreichen Tagen wird es nicht fehlen. Berging ein halbesoder ein ganzes Jahr, in welchem unserem Merkbuche nichts znfiel,so werden wir diese Zeit spater schwerlich als eine solche ansehen, dieuns zu besonderer Freude gereichte, werden uns vielmehr des Augen-blickes mit Freude erinnern, in welchem wir unser Merkbuch wiederzur Hand nahmen.

71. Was gehört in das Merkbuch hinein?

Wir sahen schon (s. Fr. 62), daß dasjenige in das Merk-buch eingetragen werden müsse, was das Gedächtnis nichtzu behalten im stände sei, und was wir dennoch als dienlichenStoff für künftige Ausarbeitungen aufzubewahren wünschen.