574 Van der Noot Vandiemensland
und 81 Kanonen ergeben. Auf Befehl des Kaisers Alexander schaffte man ihn nach Ruß-land, wo er im Gouvernement Wjätka, an der Grenze von Sibirien, gefangen blieb. Nach derersten Restauration durfte er nach Frankreich zurückkehren, erhielt jedoch von den Bourbonskeine Anstellung. Während der Hundert Tage erhob ihn Napoleon zum Pair und gab ihmden Befehl über das dritte Armeecorps, welches zumHeerestheile Grouchy's (s.d.) gehörte.Beide Generale griffen am 18.Juni 1815» die Preußen unter Thielmann bei Wavress.d.)an und versäumten dabei, Napoleon im Kampfe bei Waterloo (s. d.) zu unterstützen. Aufdie Nachricht von der Niederlage zogen sic sich mit der 45000 M. starken Armee unter dieMauern von Paris zurück, wo man V. einen Augenblick das Oberkommando zu übergebengedachte. Nach der zweiten Restauration wurde er seiner Würden verlustig erklärt undmußte in Folge der Ordonnanz vom 12. Jan. 1816 auswandern. Er ging in die Nähe vonGent, wo man ihn gleichfalls verfolgte, sodaß er Zuflucht in Nordamerika suchte. Nach zweiJahren kehrte er nach Frankreich zurück, doch mußte er, weil dies ohne Erlaubniß geschah,abermals die Greinen meiden. Er kaufte sich nun bei Gent ein Landgut und blieb daselbst,auch als er seine Wiederaufnahme in die franz. Armee vernahm. Nachdem er im Sept. 1824auf Halbsold gesetzt worden, ging er nach Frankreich zurück und lebte in seiner Vaterstadt.Er starb zu Cassel am 15. Juli 1830.
Van der Noot, s. Noot (Heinr. Nikol, van der).
Van der Velde, s. Velde.
Vandiemensland, eine australische Insel, an der Südostspitze Neuhollands gelegen,von der sie nur durch die >708 von Baß und Flinders entdeckte und nach dem Elstern benannteBaßstraße getrennt ist, hat einen Flächeninhalt von etwa 1200 lUM. Die ganze Insel istgebirgiger Natur, hat meist steile, von vielen Baien'mit trefflichen Häfen durchschnitteneFelsenküsten und wird im Innern von mehren Bergreihen durchzogen, die sich im Tafel- oderWellingtonberge aus 4000 F. erheben; dabei wird sie von vielen Flüssen und kleinen Seenbewässert, sodaß sie bei ihrem größtentheils guten Boden im Ganzen sehr fruchtbar ist. Diebedeutendsten, in ihrem untern Laufe schiffbaren Flüsse sind der Derwent im Süden und derTamar im Norden. Das Klima ist nicht so warm wie in Neusüdwales, indem das Thermo-meter im Sommer nicht über 21" Wärme steigt und im Winter bis zu 1" Kälte sinkt, sodaßSüdfrüchte nicht mehr gedeihen, wohl aber die übrigen Culturpflanzen des Mittlern Europas,für die das Klima sehr geeignet ist, das sich auch außerdem durch seine Gesundheit aus-zeichnet. Die physischeBeschaffenheit der Insel sowie ihre Products kommen im Allgemeinenmit denen des benachbarten australischen Continents überein. (S. Australien.) Mangelan einheimischen Nahrungspflanzen zeigt sich auch hier; dagegen sind die Küsten reich anSeesäugcthieren und Fischen, und unter den Landthieren ist eine Pantherart als eigenthüm-lich zu erwähnen. Die Gebirge bergen in ihrem Innern Neichthümer an Eisen- und Kupfer-erz, Steinkohlen, Marmor und andern Kalkartcn, Alaun, Krystall und Karneolen. DieInsel wurde 1643 von dem Holländer Tasman, nachdem sie jetzt auch, zum Unterschiede vondem Vandiemensland auf der Nordküste Neuhollands, Tasmania genannt wird, entdecktund von ihm zu Ehren des damaligen Holland. Statthalters in Ostindien, van Diemen, nachdessen Namen benannt. Im I. 1803 legten die Engländer hier eine Verbrechercvlvnie an, dieschnell, besonders durch die Einwanderung freier Leute, aufblühte, sodaß sie gegenwärtig mehrals 70000Bewohner, unter denen gegen 20000 Deportirte, zählt. Sämmtliche Bewohnersind europ. Ursprungs, da die Ureinwohner, welche, ganz den Typus der Australneger tra-gend, denen von Neuholland ähneln, jedoch von hellerer Farbe, dagegen fast noch roher sindund völliges Wvllhaar haben, wegen der nachtheiligen Berührung mit den deportirtcn Ver-brechern sammt und sonders von den Engländern nach der benachbarten Flindersinsel versetztwurden. Bis >825 bildete Vandiemensland ein von Sidn ey (s. d.) auf Neusüdwales ab-hängiges Untergouvernement, das aber in jenem Jahre unmittelbar unter das engl.Colonial-ministerium gestellt wurde, und 1826 als eigenes Gouvernement eine selbständige Ver-waltung erhielt. Die Colonie wird demnach durch die freien Landbesitzer nach engl. Gesetzenregiert, zu welchem Bchufe es zwei Colonialversammlungen gibt, eine gesetzgebende und eineausübende. Die Hauptgewerbe sind Ackerbau und Viehzucht, letztere, wie in Neusüdwales,besonders auf Schafe; die Industrie ist dagegen nur im Entstehen und nur durch die Be-