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6 (1845) Gebler bis Heilsordnung
Entstehung
Seite
754
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75-1 HeMger Geist

zurückkchrt. In den nach dem Exil geschriebenen Schriften des Alten Testaments kommtder Geist Gottes vor unter dem Namen der Weisheit (Sprüchw. Sal. 8, Sirach 23),welche im Buche der Weisheit (>, 57; 7) als selbständiges Wesen gedacht und mitdem göttlichen Logos identisicirt wird. Auch die Juden ;u Jesu Zeit dachten sich denHeiligen Geist als ein aus Gott hervorgcgangcncs und persönlich gewordenes Wesen,wie auch die gnostische Philosophie den Heiligen Geist unter den aus Gott hcrvorgcgange-ne» Reihen geistiger Wesen (Aeoncn) mit aufzähltc und ihn daher als ein von Gott ab-hängiges Wesen, als einen von Gott hcrvorgcbrachtcn Geist ansah. In der christlichenKirche blieben die Vorstellungen vom Verhältnisse des Heiligen Geistes zu Gott anfangsnoch unbestimmt; doch betrachteten ihn die meisten Kirchenlehrer als einen Gott unterwor-fenen und ihm dienenden Geist. Nachdem aber der große Streit mit AriuS über den SohnGottes entstanden und zu Gunsten der alcxandrinisch-platonischen Vorstellung entschieden,die gnostisch-rabbinische Ansicht dcS Anus aber verworfen worden war, so traf ein gleichesVerwerfungsurthcil auch die gnostisch-rabbinische Vorstellung vom Heiligen Geiste, derenVcrthcidigcr man Pncumatomachitcn oder Eeistesbckämpfcr nannte, weil sic demHeiligen Geiste das Prädicat Herr nicht geben wollten, das er auch im Neuen Testamentnicht bekommt. Auf dcm Concilium zu Konstantinopcl im I. 381 wurde festgesetzt, derGeist seiHerr", schaffend, vom Vater ausgegangcn und ebenso, wie der Vater und derSohn, anmbckcn und zu verehren. In der diesem Dogma zu Grunde liegenden philoso-phischen Theorie war durchaus kein Grund vorhanden, anzunehmcn, daß der Geist auchvom Sohne änSgehe, d. i. zu seiner Pcrsönüchwcrdun g des,Sohnes bedurft habe. Dochwurde diese Annahme allmälsts, IkäMkntlich dur'ckiAugustin, in der lat.Kirche üblich, sodaß man sic endlich, zuerst in Spanien, in den lat. Text des zu Konsianti-nopc! im I. 38 l abgcfaßten Glaubensbekenntnisses hincinsctzte, indem man die Wortee,ni ex I>at>6 ;>rneetlit" mit dem Zusätzeliliogue" hinter>>:>1re" vermehrte, welcherZusatz dann auch in das Athanasianischc Glaubensbekenntnis, überging, wo es heißt:8>>!-rinis ranctiis u >>atro et Mio procellens". Die Kirche dcS gricch. Nömcrrcichs verwarfaber diesen Zusatz als Jrrthum, und lehrt noch gegenwärtig, daß der Heilige Geist nurvom Vater ausgchc. Die Vorstellung der lat. Kirche wurde auch, sowie das ganze Dogmavon d-r Trinität, von den Reformatoren bcibchaltcn. Als sinnliches Symbol des HeiligenGeistes wurde nach ncutcstamentlichen Stellen das Bild der Taube gewöhnlich.

Die Theologie bei den Protestanten ist in neuerer Zeit zu der im Alten Testamentherrschenden Vorstellung, welche awchHurchustcht wcu iae Ste llen Los Neuen Testaments,besonders durch I Mb. 2, I II «>, gestützt wird, zurückgekchrt. Dck Geist Gottes ist ihrGott selbst, gedacht nach seiner Wirksamkeit auf den menschlichen Geist, um diesen zur An-schauung, Erkenntnis, und Liebe des Vollkommenen zu führen. Die Thärigkeit dcS Men-schengcistcs, nach welcher er Gott und göttliche Dinge richtig erkennt, das wahre Verhält-niß zwischen Gott und der Welt erforscht und auffaßt, in die Zukunft blickt, seine eigeneBestimmung begreift und für das Vollkommene begeistert wird, und sich selbst und diemenschlichen Verhältnisse nach der Idee der Vollkommenheit zu gestalten strebt, ist Wir-kung des sich dem Mcnschcngeistc offenbarenden Geistes TottcS. Da nun das Vollkommenedem Gebiet der Religion angchört, so ist die wahre Religion, das ist die christliche, eineOffenbarung und Hauptwirkung des Geistes Gottes. Inwiefern Christus selbst uns daSBild des geistig vollkommen gewordenen, das heißt, des religiösen Menschen in höchsterVollendung darsicllt, und alle Die, welche in Gemeinschaft mit ihm treten, zu gleicher Stufeder Vollkommenheit ui erheben vermag, insofern ist der in seiner Gemeinde waltende GeistGottes zugleich sein Geist, auch von ihm ausgehend und durch ihn auSgcgossen über diewahre Kirche. Sowie daher die Gemeinschaft mit Christus und der wahren Kirche daSMittel ist, durch welches der Einzelne des Geistes Gottes thcilhaftig wird, so ist auch dieserGeist ein thcurcs Unterpfand für das ewige Leben des MenschcngcisteS. In der spekulati-ven Philosophie bei Schclling und Hegel, welche die Wörter Trinität, Vater, Sohn undGeilt zur Hülle ihrer Lehrsätze gemisbraucht hat, ist der Heilige Geist die Synthesis, durchwelche die Differenz in der Vorstellung zwischen Vater und Sohn (Gott und Welt, Abso-lutem und Endlichen, Ich und Nichtich) aufgehoben und zur Einheit zurückgcführt wird.