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Heilige Allianz
seiner 25. Sitzung die Anrufung der Heiligen nicht als eine religiöse Pflicht, sondern em-pfiehlt sie nur als gut und nützlich. Trotzdem hat sich die protestantische Kirche im 21 .Art.der Augsburger Confession mit vollem Rechte gegen jene Anrufung erklärt, weil sich die-selbe nicht biblisch begründen läßt und zu leicht mit Aberglauben sich vermischt. Dabei ver-sagt sie aber den Heiligen die gebührende Ehre keineswegs, sondern will das Andenken der-selben zur Stärkung im Glauben und in der Tugend benutzt wissen. Auch gegen die Bilderder Heiligen als Zierden der Kirchen und als historische Erinnerungen spricht sie sich nichtso streng wie die reformiere Kirche aus, wol aber bekämpft sie den Bilderdienst (s. d.).
Heilige Allianz nennt man gewöhnlich den Negente'nbund, dessen Idee wahrschein-lich,zuerst vom Kaiser Alexander von Rußland aufgrfaßt und der dann von ihm, dem Kai-ser von Ostreich und dem Könige von Preußen zu Paris durch die Acte vom 20. Sept.
1815 mittels eigenhändiger Unterschrift vollzogen, 1816 vom Kaiser von Rußland öffentlichbekannt gemacht und nach und nach durch den Beitritt aller damals lebenden christlichenMonarchen, mit Ausnahme des Papstes und des Prinz-Regenten von England, verstärktwurde, welcher Letztere jedoch auch seine persönliche Billigung versicherte und nur durch denkonstitutionellen Scrupel in Betreff der mangelnden Mitwirkung der Minister vom Beitrittsich abhalten ließ. Doch ist diese Acte mehr eine Declaration als ein Staatsvertrag; auch hat sicdurch Nichterneuerung von Seiten der Nachfolger die positivrechtliche Bedeutung verloren,die sie etwa ansprechen mochte. In der Urkunde selbst sicherten die Monarchen sich gegen-seitige Bruderliebe, Hülfe und Beistand zu und erklärten, daß sie sich als Glieder einer undderselben christlichen Nation betrachteten, vonder Vorsehung beauftragt, die Zweige einerFamilie zu regieren; daß sie ihre Untertbanen als Familienväter beherrschen, die Religion,den Frieden und die Gerechtigkeit aufrechterhalten wollten. Die Unterthanen aller christ- ;lichen Fürsten sollten einander in allen Fällen Hülfe und Beistand leisten. Bei dem Gan-zen handelte es sich wesentlich um das öffentliche Anerkennen einer sittlichen Verpflichtungund Gesinnung, nicht um publicistisch bestimmte Leistungsformen. Es waren die Fürstenpersönlich, welche diese Erklärungen erließen, denselben beitraten, und es sollten dieselben ihrepersönliche Gesinnung ausdrücken. Gewißlagen demGanzensehrhvhe,edleundsegensreicheIdeen zum Grunde, wie sie in den für Humanität erwärmten und unter dem Einflüsse der k
schwersten Prüfungen und der wunderbarsten Rettung in christlicher Tugend und Sinnes- j
weise gestärkten Gcmüthern gerade in jener Zeit die fruchtbarste Stätte fanden. That- >
sächlich haben seitdem die Mitglieder des Bundes keine Kriege gegeneinander geführt, sich >
keine Territorien abgestritten, und wenn dazu,, wenn zu dem allmallgen Einwurzeln derÜberzeugung, daff'zur Befriedigung der vernünftigen Interessen der Staaten nicht dasStreben nach größtmöglicher Ausdehnung ihrer Grenzen, sondern gegenseitige Willfährig- ^keit und billige Rücksicht führe, der Bund mit beigetragen hat, so mag man ihn wol einennützlichen nennen. Zndeß mögen dabei noch mancherlei andere Impulse, Kräfte und Verhält-nisse mitgewirkt haben, da dieselbe Friedenspolitik auch nach der Julirevolukion und nachdem !
allmäligen Absterben der Kontrahenten des Bundes fortgewährk hat; da ferner vielfach andie Stelle des Kriegs mit Waffen ein nicht minder unfreundlicher und unchristlicher Kriegmit Zvllgesetzen und Handclschikanrn getreten ist; und so mögen wir in jenem Bunde mehreine löbliche theoretische Anerkennung von Grundsätzen finden, die erst bei viel tiefermEinwurzeln in alles Volksthum und bei allseitig unterstützenden Verhältnissen auch inpraktischer Wirksamkeit hinlänglich verbürgt erscheinen werden. Immer bleibt seine Wirk-samkeit für daS äußere Staatsleben, obwol auch hier ein gewisses Übermaß russ. Ein-flusses eine Zeit lang dadurch gefördert wurde, allseitiger Würdigung ungleich fähiger ;als die für das innere, wo es ihm manches Mistrauen zuzog, daß man in seinen Häup-tern eine gewisse Vorliebe für den Absolutismus, wenn auch unter patriarchalisch-theokra-tische Formen verhüllt, erkennen wollte, daß man mit dem Bunde die Congreßpolitik, dieInterventionen und jenen Charakter derselben in Verbindung brachte, der sehr eifrig aufSicherung der Regierungen, wovon allerdings die Ruhe Europas abhing, bedacht, abersehr gleichgültig in Betreff des auf die Dauer für denselben Zweck doch ebenso wichtigenGebrauchs war, den die so gesicherten Negierungen von ihren Rechten den Völkern ge-genüber machten. War auch die radikale Auffassung jenes Bundes, wonach man ihn für