Druckschrift 
6 (1845) Gebler bis Heilsordnung
Entstehung
Seite
750
Einzelbild herunterladen
 

750 Heilbronn Heiligendienst

Heilbronn, eine Stadt im würtembcrg. Neckarkreise, hat 10300 E., ansehnlichenTransito- und Speditionshandel, der durch die Neckarschiffahrk mittels des 1821 vollende-ten Wilhelmskanals ansehnlich gewonnen hat, und bedeutende Fabriken, darunter eineChampagnerfabrik, welche jährlich 80l imooo Flaschen Neckarwein-Champagner lie-fert. Die vorzüglichsten Gebäude sind das in ein schönes Schloß umgestaltcte ehemaligeWaisenhaus, das in eine Caserne umgewandelte deutsche Ordenshaus, das Nathhaus miteiner merkwürdigen Uhr und das Archivgebäude mit einem wohlgeordneten alten Archiv.Es bestehen daselbst ein Gymnasium mit einer über 1200« Bände starken Bibliothek undeine Kunstschule. Als Merkwürdigkeiten zeigt man den sogenannten Diebsthurm, in wel-chem Götz von Berlichingen > 525 gefangen saß, und die im goth. Geschmack gebaute St.-Kilianskirche, unter deren Altar man die sehr ergiebige Quelle, nach der die Stadt ihrenNamen erhalten hat, sprudeln hört. In der Nähe von H. liegt die berühmte Nauch'schePapierfabrik. Der Sage nach wurde H. schon ums I. 800 von Karl dem Großen erbaut;eS war eine Reichsdomaine und hatte eine kaiserliche Pfalz. Im I. 1225 kam cs als Le-hen an das Stift Würzburg, wurde aber nachher wieder eine königliche Stadt, bis siesich um 1360 zur freien Reichsstadt erhob. Im 1.1525 wurde dieStadt als zum schwäbBunde gehörig von den aufrührerischen Bauern eingenommen. Als die Reformation >529Eingang gefunden, trat sie dem Schmalkaldischen Bunde bei. Sie war als Reichsstadtgut verwaltet und wohlhabend; imJ. >803 siel sie mit ihrem kleinen Gebiete an Wür-temberg. Vgl. Jäger,Geschichte von H." (Heilbr. 1828).

Heilbrunn, ein Dorf bei Benedictbeurn, im bair. Kreise Oberbaiern, ist bekanntwegen der in seiner Nähe entspringenden Mineralquelle, der Ade lh cidsquelle (s. d.).

Heilig hängt sprachlich zusammen mit Heil, welches Unverleytheit, Integrität be-deutet, und bezeichnet im Allgemeinen Das, was vom gemeinen Gebrauche des Lebens ab-gesondert ist. WaS irgend für den Menschen heilig ist, das ist für ihn unverletzlich, dientnicht fremden Zwecken, davor tritt er mit Scheu und Ehrfurcht zurück. Ein fester Halte-punkt für den Begriff und die Bedeutung des Heiligen liegt daher nur auf dem Gebieteder Religion und der Sittlichkeit, und während in religiöser Beziehung Das heilig gehal-ten wird, was Zeichen und Symbol religiöser Ideen und frommer Gesinnungen ist, so be-zeichnet der Begriff der sittlichen Heiligkeit die absolute Angemessenheit des Wollens andie sittlichen Ideen, dasjenige Verhältniß desselben zu dem sittlichen Ideale, in welchemjede Differenz zwischen beiden hinweggedacht wird. Daher kann Heiligkeit in diesem Sinnenur Gott beigelcgt werden. Historisch betrachtet hat sich der Begriff des Heiligen und derHeiligkeit je nach den religiösen und sittlichen Bildungsstufen sehr mannichfaltig modisicirk.Heilige Zeiten, Orte, Gebräuche, Personen kennen alle Religionen; ein besonderer Hei-ligendienst (s. d.) hat sich vorzugsweise in der christlichen Kirche ausgebildet.

Heiligendienst. Ausgehend von der sittlich-religiösen Bedeutung des Begriffs derHeiligkeit (s. Heilig) zeichnete der Sprachgebrauch der ersten christlichen Jahrhundertefromme Personen und insbesondere Bischöfe noch bei ihrem Leben durch den EhrennamenHeftige aus, d. h. Ehrwürdige, dem Dienste Gottes'Geheiligte. Sehr entfernt hat sich in-deß von dieser einfachen Vorstellungsart der künstliche Begriff, den die christliche Kirche seitdem 4. Jahrh. mit den Heiligen verknüpfte. Dazu trugen die Vorstellungen der Heidenvon Heroen, Halbgöttern, vergötterten Menschen, und die Ideale der Philosophen vonmenschlicher Größe nicht wenig bei. Die Märtyrer des christlichen Glaubens wurden dieHeroen der Christenheit. War es noch bis in das 4. Jahrh. herab Sitte gewesen, für sie zubeten, so fand dies schon der heil. Augustinus unschicklich, und man fing nun an, zuihnen zu beten. Sie wurden bald Diener, bald Freunde und Vertraute Gottes, bald Be-schützer des menschlichen Geschlechts genannt, an Rang nicht selten über die Engel gesetzt,und schon im 4. und 5. Jahrh. in öffentlichen Reden und Predigten als mächtige Fürbitterbei Gott, als Helfer in allen Nöthen gepriesen und angerufen; ja von ihrem Gebete hoffteman die Aufhebung der Sünden ganzer Völker, und von der wunderthätigen Kraft ihrerGebeine und N eliquien (s. d.) kamen namentlich seit Gregor dem Großen die sonderbar-sten Sagen in Umlauf. Wo das Grab irgend eines Heiligen sich befand, wurde er zumSchutzheiligen ernannt; und da sehr bald jede Provinz, jede Stadt und Gemeinde einen