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6 (1845) Gebler bis Heilsordnung
Entstehung
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749
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Heidenheim Heilanzeige 749

von jeher unter Juden und Christen um des Gegensatzes willen häufig gebraucht; wasman als gottlos, bös und lasterhaft schildern wollte, nannte man heidnisch; ja der heil.Augustinus will sogar die Tugenden der Heiden nur für glänzende Laster gelten lassen.Übrigens hat der Ausdruck Heiden historischen Grund. Als sich das Christenthum im röm.Reiche verbreitete, faßte cs zuerst in den Städten Fuß; in den Dörfern erhielt sich dieVolksreligion noch lange, nachdem das Christenthum schon herrschend geworden war, da-her die Verehrer der alten Götter von den christlichen Bewohnern der Städte pagani, d.h.Landbewohner, genannt wurden. Ebenso verhielt es sich in Deutschland; auch hier fanddas Christenthum zuerst in den Städten Eingang, während in Wäldern und Haiden beiden Landbewohnern sich noch lange der Götzendienst erhielt, weshalb Heide und Götzendienerfür gleichbedeutend genommen wurde. Gegenwärtig gibt es noch gegen 569 Mill. Heiden.

Heidenheim, eine Stadt im würtemberg. Jartkreise, an der Brenz, mit ungefähr3400 E., welche mehre Fabriken unterhalten, ansehnliche Gewerbe und Handel treibenund namentlich, gleich der Umgegend, ein vorzügliches Töpfergeschirr (HeidenheimerGeschirr)liefern, war früher der Hauptort einer besonder« Herrschaft, die nachdem Aus-sterben der ursprünglichen Besitzer, deren Burg, Hallenstein, noch jetzt in ihren Ruinenneben der Stadt sich erhebt, und nach mannichfachen Schicksalen 1448 an Würtembergkam, das sie 146«» an Baiern verkaufte, aber 1506, noch in Folge des westfäl. Friedens,wieder zurückerhielt.Das Städtchen Hei den h eim im bair. Kreise Mittelfranken warim Mittelalter durch die daselbst im 8. Jahrh. gestiftete Benedictinerabtei berühmt; ge-schichtlich denkwürdig wurde es in neuerer Zeit durch das Gefecht zwischen den Franzosenunter Moreau und den Baiern am 11.Aug. 1796, das die Neutralitätserklärung Baiernsin der Convention zu Pfaffenhofen am 7. Sept. 1796 zur nächsten Folge hatte.

Heiland, d. h. Erretter, wird in der Bibel theils Gott selbst, theils und vorzugs-weise Jesus (s. d.) genannt. Der Bedeutung nach kommt das Wort ganz mit dem Na-men Jesus überein.

Heilanzeige oder Anzeige (iuckicatio) ist ein medicinischer Ausdruck und bedeutetdie aus der Diagnose (s. d.) einer Krankheit sich ergebende Regel für ihre Behandlung,also die Heilungsidee, das Urtheil über die Veränderung, die im Körper Vorgehen müsse,wenn er zur Gesundheit zürückkehren soll, und über die Mittel, welche diese Veränderungam zweckmäßigsten bewirken. Die Schule nennt gewöhnlich vier Arten von Anzeigen,die Causal- oder Radicalanzeige (intlicntio csiisalis), welche dieUrsacken der Krank-heit zu heben, die Linderungsanzeige (inckicatio pslli-ttiva), welche einzelne drin-gende, gefahrvolle oder beschwerliche, der Cur hinderliche Zufälle zu beseitigen oder dann,wenn Heilung unmöglich ist, zu lindern, die Lebensanzeige (iockicatio vitsli»), welche,ohne die Krankheitsursachen zu berücksichtigen, vor der Hand nur das Leben zu erhalten,und die Vorbau ungsanzeige (milicatio proplixlsdica), welche ebenso wie die vorigeden Ausbruch neuer oder die Verschlimmerung gegenwärtiger Krankheiten zu verhindernsucht.. Diese Heilanzeigen können eigentlich nicht als wesentlich getrennt betrachtet wer-den, da sie sämmtlich zu dem Zwecke der Cur, Erhaltung des Lebens durch Wiederherstel-lung der Gesundheit Mitwirken und diesen Zweck nur in den verschiedenen Fällen auf ver-schiedenen Wegen verfolgen; auf der andern Seite aber wird es nicht in allen Fällen mög-lich sein, alle auf einmal zu erfüllen, sondern je nach den vorliegenden Symptomen eineReihenfolge eintreten müssen, in welcher eine Anzeige der andern vorgeht. Namentlichmuß oft die inckicatio caiisulis, eigentlich die wichtigste und am meisten zu berücksichtigende,in den Hintergrund treten, da sie in einer oder mehren der andern eine Gegenanzeige (con-trkülillicatio) findet, d.h. da oft die zu ihrer Erfüllung nöthigcn Mittel Eigenschaften be-sitzen, welche den Zustand des Kranken in anderer Hinsicht verschlimmern könnten, wäh-rend sie dieselbe Krankheit unter andern Nebenumständen beseitigen würden, oder wennsich voraussehen läßt, daß die Unterdrückung der einen Krankheit den Ausbruch einer ge-sährlichern nach sich ziehen würde. Die Aufgabe des Arztes ist es also, zu sehen, welcheAnzeige die dringendste ist und dieser so viel als möglich mit Berücksichtigung der übrigenGenüge zu leisten, wobei allerdings oft die traurige Nothwendigkeit, von zwei Übeln da-kleinste zu wählen, sich herauSstellt.