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Heilkunde, ein Forst- und Landbauinstitut, ein Museum (seit 1827) in einem großen Ge-bäude in der schönsten Lage derStadt, mit sehr vollständigem Lcsecabinct; ferner ein gemein»schaftliches Gymnasium für Protestanten und Katholiken und mehre Privatinstitute. DenHandel derStadt, besonders mit rohem Taback, Ölsamen und Öl, begünstigen der schiffbareNeckar und die sich hier kreuzende» Hauptstraßen von Frankfurt nach Basel und von Man-heim theils nach ganz Schwaben, theils nach Franken und Sachsen, sowie die neuen Eisen-bahnen, von denen die nach Manheim und Karlsruhe bereits dem Verkehr übergeben, die zwi-schen Frankfurt und Basel im Bau begriffen ist. Unter den Gewerben sind zu bemerken eineKrapp- und Wachslichterfabrik, mehre Tabacksfabriken und Bierbrauereien. Für die Ver-schönerung der nächsten Umgebungen der Stadt und die Annehmlichkeit des Aufenthalts istin neuester Zeit sehr viel geschehen. H. war ursprünglich Lehn der Bischöfe zu Worms. Pfalz-graf Ruprecht I. nahm zuerst in H. seine Residenz. Nachdem die Reformation 1502 hierbegonnen, wurde H. durch den Katechismus 1562, durch das von Pfalzgraf Kasimir >584veranlaßte Religionsgespräch behufs einer Vereinigung der Lutherischen und Reformirlenund durch die hier geschlossene Union der protestantischen Fürsten merkwürdig. Nach Tilly'sEroberung wurde es >634 durch die Kaiserlichen blockirt, jedoch vergebens, 1688 von denFranzosen eingenommen, geplündert und zum Theil zugleich mit dem Schlosse zerstört,auch 1693 aufs neue erobert und übel behandelt. Vgl. Engelmann, „H.s alte und neue Zeit"tHeidelb. 1823)und Zacobi, „Panorama vonH. und seinen Umgebungen"(Heidelb.! 844).
Die Universität, nach der Präger und wiener die älteste in Deutschland, wurde1386 vom Kurfürsten Ruprecht II. als Ruperta gestiftet und durch Marsilius von Jng-hen, den ersten Ncctvr, und Konrad von Gelynhauscn, den Kanzler derselben, schnell zurBerühmtheit gebracht. Der blühende Zustand derselben endete mit der Erstürmung derStadt im I. 1622 durch Tilly. Nach dem Dreißigjährigen Kriege erhob sich die Univer-sität wieder unter dem Kurfürsten Karl Ludwig. Insbesondere trugen Lorenz Veger undEzechiel Spanhcim, Freinsheim und Pufcndorf, theils mittelbar, theils unmittelbar, viel zuihrem Aufblühen bei. Dagegen geschah unter Karl Ludwig's Nachfolgern aus dem pfalz-gräflich-neuburgischen und sulzbachischen Hause, mit Ausnahme Dessen, daß dieStaats-wirthschaftsschule von Lautern im 1.17 84 nach H. verlegt wurde, fast gar nichts für dieselbe;durch den lüneburger Frieden ihrer wichtigsten Besitzungen beraubt, würde sie sich habenauflösen müssen, wenn nicht der Eroßherzog Karl Friedrich, als H. an Baden abgetretenwurde, I8V3 mit großer Freigebigkeit sie neu ausgestattet und ihr die gegenwärtige Ver-fassung gegeben hätte. Nach ihm wurde sie Ruperta-Carolina genannt. Ihre seitdem nochstark vermehrten Fonds betragen I O8000 F-r.7-wovon 84069 ans der Staatskasse fließen.Von den Professoren erwähnen wir in der theologischen Facultät Paulus, Schwarz, Um-breit, Ullmann, Lewald und Rothe, in der juristischen Mittermaier, von Vangerow, Roß-hirt und Walch, in der medicinischen Tiedemann, Nägele, Emelin, Chelius, Puchelt, Pfeuf-ftr und Henle, und in der philosophischen Schlosser, Creuzer, Muncke, von Leonhard, Rau,Bähr, Spengelund Kapp. Die Zahl der Studirenden betrug imJ. 1844 etwa673, worun-ter 455 Ausländer; die der Professoren und Lehrer 66. Die Universitätsbibliothekhat höchst merkwürdige Schicksale gehabt. Jene alte berühmte Bibliothek, welche nach derEinnahme der Stadt im I. 1622 von dem Herzoge Maximilian von Baicrn als Kriegs-beute angesehen und dem Papst Gregor XV. geschenkt wurde, entstand am Schlüsse des14. Jahrh. und erhielt 1390 durch die Büchersammlung des Kanzlers Konrad von Eelyn-hausen und durch ein Vermächtniß des ersten Rectors der Universität, Marsilius von Jng-hen, im I. 1396 einen bedeutenden Zuwachs. Nächstdem gewann sie eine bedeutendeVermehrung im1.1410 durch die Freigebigkeit des Bischofs von H., Matthäus von Worms,sodaß sie zu Anfänge des 15. Zahrh. 700 Handschriften zählte. Im Z. 1421 vermachteKurfürst Ludwig III. seine sämmtlichen Handschriften, 152 an der Zahl, dem Hciligengeist-capitel, zum Vortheil der Universität, die aber der altern Sammlung damals nicht einver-lcibt wurden, und 1443 erhielt die Bibliothek, die inzwischen durch Vermächtnisse und An-kauf vermehrt worden war, ihr eigenes Gebäude in dem akademischen Garten. Unter demKurfürsten Philipp wurde eine Menge kostbarer Werke von Johann von Dalberg undRudolf Agricola angekauft; auch erhielt die Bibliothek die reiche Sammlung, welche diese