738 Hegel
niß, zusammengenommen mit dem allen Jdentitätssystemen gemeinschaftlichen Säße desSpinoza: die Ordnung und Verknüpfung der Gedanken ist dieselbe, wie dieOrdnung undVerknüpfung der Dinge, kann als der natürliche Keim der eigenkhümlichen Methode H.'Sangesehen werden, durch die sein System seinen specifischen Charakter erhält. Ist nämlichdie Entwickelung der spekulativen Gcdankenbcstimmungen der wahre und adäquate Aus-druck des Geschehens, welches in dem Gebiete des natürlichen und geistigen Daseins statt-findet, so muß dieselbe allgemeine Form, die den Lauf des Geschehens bestimmt, auch diewesentliche Form jener Gedankenbestimmungcn und ihrer Entwickelung sein und umge-kehrt. Die allgemeinste Form Dessen, was da ist, ist aber das Werden; alles Werdendeerscheint als ein solches, welches zugleich ist und nicht ist, was es ist: indem es ein andereswird, negirt es sich und diese immanente Negation, durch welche es sich in seiner Entfrem-dung von sich erhält und durch eine neue Gestalt seines Daseins bereichert, erscheint alssein eigenes Wesen. Auf diese Weise erklärt H. die „immanente Negativität" für dieForm und den Ausdruck eines Denkens, dessen Bewegungen mit dem Proteste des Wer-dens identisch, ihm vollkommen correspondirend sein sollen. H. unterscheidet demnach vondem blos „verständigen, abstracten Denken, welches bei der festen Bestimmtheit und derUnterschiedenheit derselben gegen andere stehen bleibt", das „dialektische oder negativ-ver-nünstige, als ein Hinausgehen über die isolirte Bestimmtheit", bei welchem das eigeneSichaufheben solcher endlicher Bestimmungen und ihr Übergehenstn ihre entgegengesetztenzum Vorschein komme, und endlich noch das „speculative oder positiv-vernünftige", wel-ches die Einheit der Bestimmungen in ihrer Entgegensetzung und somit das Affirmativeauffasse, das in ihrer Auflösung und ibrem Übergehen enthalten sei. Die dialektischeMethode ist daher eben dieser, mit dem Proteste der Sache selbst identische Proceß desDenkens, welcher der Auflösung jedes Begriffs in sein eigenes Gegentheil und der dadurchvermittelten Erhebung desselben zu einem reichern Inhalte gleichsam nur zusieht, und inder Totalität aller auf diese Weise sich erzeugenden Momente sich zum absoluten Wissenfortarbeitet. Schon aus diesen kurzen Andeutungen kann man sich erklären, warum dasH.'sche System sich in lauter dreigliedrigen Eintheilungen entwickelt, die aber keineswegsEintheilungen im gewöhnlichen Sinne der Logik sind, sondern deren Glieder eben die jedes-maligen Momente der Stufe, auf der gerade jetzt das speculative Denken steht, bezeichnen.Das System der Philosophie gliedert sich demgemäß in drei große Gedankenmassen. Dererste Theil ist die Logik, als die Wissenschaft der Zdee an und für sich, die in die Lehre vomSein, als dem Unmittelbaren und Voraussetzungslosen, vom Wesen, als der Reflexionund der Vermittelung der Idee mit sich, und dem Begriffe oder der Idee, als der Rückkebrdes Begriffs in sich, zerfällt. Der zu sich selbst gekommene Begriff kann aber nicht bei sichbleiben; er entläßt sich frei aus sich, geht in sein Gegentheil, die Natur, über. Innerhalbder Naturphilosophie, als des zweiten Haupttheils, bezeichnen dann der mechanische, derphysikalische und der organische Proceß die drei allgemeinsten Stufen oder Momente.Aber die Idee faßt sich endlich aus ihrer Entfremdung in der Natur wieder zusammen,kommt als Geist wieder zu sich, wird „an und für sich", was sie in der Logik „an sich" undin der Natur „außer sich" war, und die Darlegung der Momente, durch welche dies ge-schieht, ist die Philosophie des Geistes, der sich von den Stufen des subjektiven durch diedes objektiven zu denen des absoluten Geistes erhebt. Während hier die anthropologischenund psychologischen Erscheinungen dem Gebiete des subjektiven, die rechtlichen und sittli-chen Begriffe dem des objektiven untergeordnet werden, bezeichnen die Kunst, die Religionund die Philosophie die Momente des absoluten Geistes. Es würde viel zu weit führen,die Gliederung des Systems noch weiter ins Einzelne zu verfolgen und die Art, wie H.seine Methode in den specicllen Gebieten der Ästhetik, der Ncligionsphilosophie, der Phi-.losovhie der Geschichte durchzuführen versucht hat, einigermaßen kenntlich zu machen.Ebenso wenig lassen sich streng genommen einzelne Lehrsätze als solche anführen, die demH.'schen Systeme eigenthümlich seien; denn jeder Satz hat in diesem Systeme seine Be-deutung nur an der bestimmten Stelle, an welcher er im Verlaufe des dialektischen Pro-testes gerade vorkommt; diese Bedeutung wird auf einer höher» Stufe wieder verschwin-den und jede feste Gedankenbestimmung geht in der absoluten Flüssigkeit der Methode