Hebräische Sprache und Literatur 725
thums. Unter diesen Richtern ragen besonders hervor Eideon (s. d.), Jephtha, der starkeSimson (s. d.) und die Nichterin Dcborah (s. d.). Müde der innern Fehden und desEinflusses der Nachbarvölker verlangten und erhielten die Hebräer unter Samuel, etwa108« v. Ehr., die Einsetzung eines Königs. Der Erste, derdieseWürde bekleidete, Saul (s.d.),aus dem Stamme Benjamin, war noch ohne Hofstaat und festen Wohnsitz. An seinerStelle salbte Samuel, als Saul sich durch verschiedene Mißgriffe dessen Unzufriedenheitzugezogen hatte, den mit Gaben des Geistes und Körpers geschmückten Sohn Jsai's, Da-vid (s. d.), zum Könige. Die ruhmvolle Regierung desselben, l«58—1«>8 v. Ehr., wardie Blütcnzeit des hebr. Staats. Die heidnischen Ureinwohner wurden völlig verdrängt,die Grenzen des Reichs durch glückliche Eroberungen weit nach Syrien und Jdumäa hinein 'ausgedehnt und Ierusalcm (s. d.) zur Residenz. Unter seinem Sohn und Nachfolger,Salomo (s. d.), hoben sich die Baukunst, namentlich durch den Bau des prachtvollenTempels zu Jerusalem, wie die Dichtkunst; der Gottesdienst wurde fester begründet, derGewerbfleiß befördert, Handelsverkehr mit Phönizien, Arabien und Ägypten angeknüpft,ja sogar Schiffahrt nach dem Arabisch-indischen Meere unternommen. Nichtsdestowe-niger trug die Regierung Salomo'S bereits zum Verfall der kaum errungenen Macht bei,indem in Folge des Aufwandes, den er machte, das Volk mit Abgaben belastet werdenmußte. Nach seinem Tode, 978 v. Ehr., trennte sich das hebr. Reich in zwei Staaten, inFolge einer schon früher bestehenden Eifersucht zwischen dem mächtigen Stamme Judaund den übrigen Stämmen. Salomo's Sohn, Nehabeam, vermochte nur die StämmeJuda und Benjamin, nebst der Hauptstadt Jerusalem, bei seinem Throne zu erhalten, unddiese bildeten nun das Reich Juda, während die übrigen zehn Stämme dem Jerobeam,aus dem Stamme Ephraim, zufielen und das Reich Israel bildeten. Diese Trennungschwächte die politische Macht des Volks. In Israel herrschte eine Reihe von l 9 Königenaus verschiedenen Geschlechtern, deren wenige anders als durch Ermordung ihrer Vorgän-ger auf den Thron kamen, und es wurde dieses Reich, obwol stärker bevölkert und weiterausgedehnt als Juda, doch früher als letzteres ein Raub assyr. Eroberer. Salmanas-sar (s. d.) nahm Samaria, die Hauptstadt Israels, und verpflanzte das unterjochte Volkin die Gebirge Mcdiens, 72« v. Ehr. Unter den 2« Königen in Juda aus David's Hausezeichneten sich Josaphat, 917—892 v. Ehr., Usia, 899-758, Hiskia, 726—696, undJosia, 639—6«8, durch Regententugenden und Eifer für den Dienst des ewigen Gottesaus; die Andern wurden der Religion und Ordnung ihrer Väter mehr oder weniger un-treu und unfähig, den Mächten Ägyptens, Assyriens und Babylons zu widerstehen, balddieser, bald jener zinsbar, bis endlich der König von Babylon, Nebukadnezar (s. d.),586 v. Ehr., Jerusalem eroberte, den Tempel plünderte und verbrannte, den letzten KönigZedekia blendete und die Vornehmsten und Reichsten des Volks nach Babylon abführte.Der Name Hebräer wich allmälig, namentlich seit der sogenannten Zeit des Exils, demMichern Namen Iuden (s. d.).
Hebräische Sprache und Literatur. Unter dem semitischen Sprachstamme,welcher das Aramäische, das Hebräische und Arabische umfaßt, ist die kräftige, seingebaute,reiche und wohllautende Sprache der Hebräer, die auch die kananitische heißt, eine derältesten und merkwürdigsten. Jndeß reichen die noch vorhandenen Denkmale derselbennicht über das Zeitalter David's hinaus. (S. Moses.) Spurender ältern Sprache ha-ben sich in den Eigennamen und den Buchstabenbenennungen erhalten. Aus dem AltenTestament läßt sich der Zustand des Hebräischen während der Zeit zwischen David und denMakkabäern erkennen. Unter der Negierung der letzten Könige von Juda nahm die Sprachebereits eine aramäische Färbung an; nach Esra ward sie allmälig von der Sprache derAramäer verdrängt, und in den drei Jahrhunderten zwischen den Makkabäern und demHadrianischen Kriege starb sie gänzlich aus. Buchstabenschrift kannten die Hebräer schonzur Zeit Mosis; der ältere Schriftcharakter ist aus dem phöniz. Alphabet, der jüd. Münz-schrift und den samaritan. Schriftzügen zu erkennen; er wich, nach Esra's Zeitalter, all-mälig der noch üblichen babylon. Quadratschrift, von welcher die palmyrcnische und diesyrische Abarten sind. Die Finalbuchstaben sowie die diakritischen Zeichen sind um mehreJahrhunderte jünger, die Vocale und Accente erst aus dem 6. oder 7. Jahrh. n. Ehr.