721
Heber
stützungspunkte abgeben. Die vor» am Hebel sitzendeGabel umschließt die gezahnte Stangeund an jeder Seile dieser Stange geht von der Gabel ein beweglicher Bicgel in die Höhe,der in die Zähne faßt. Der vordere Bicgel ist mit dem Haken verbunden, woran die Lasthängt. Drückt man den Hebel nieder, so legt sich sein vorderer Biegel immer in einen hü-Hern Zahn ein, und der Hintere Biegel dient während dieser Zeit als Unterlage. Man ver-wendet die Hebelade zum Aufheben der Sägcblvcke auf die Gestelle, vorzüglich aber beimRoden zum Ausheben der Wurzelstöcke und zu dergleichen Arbeiten mehr. Zn den meistenFällen wird übrigens die Anwendung der W agen wi nd e (s. d.) die Hebelade ersehen undden Vortheil für sich haben, daß bei größerer Krafterzeugung (bis zu >70 Ctr.) eine bedeu»tcnde Raumersparniß und Stetigkeit in der Wirkung erlangt werden kann. Die Hebe-laden von Montigny, Leupold, Polhem, Sommer, Bose und Birgirsson sind meist zusam-mengesetzter und daher weniger in Gebrauch gekommen.
Heber nennt man einen Apparat, um mittels der Ansaugung oder des LuftdrucksFlüssigkeiten zu heben. Das einfachste dieser Instrumente ist der sogenannte Stechh e b er.Derselbe besteht aus einer engen, langen Röhre, welche oben und unten offen ist, nahe amobern Ende aber eine birnförmige oder kugelartige Erweiterung hat. Steckt man nun dasuntere Ende der Röhre in eine Flüssigkeit und saugt die im Heber befindliche Luft aus, sowird die äußere atmosphärische Luft die Flüssigkeit in dem Heber hinaufdrücken und die Er-Weiterung desselben auf diese Weise gefüllt werden. Hält man nun die obere Öffnung desHebers geschlossen, so kann man, ohne daß dabei Etwas ausstießt, den Heber aus der Flüs-sigkeit nehmen und das Ausgehobcne in ein anderes Gesäß bringen. Man kann auf dieseWeise, wenn zwei Flüssigkeiten von verschiedener Schwere in einem Gefäße übereinander-stehen, die untere derselben ausheben, ohne die obere zu beunruhigen. Der eigentliche odergekrümmteHeber besteht aus einer unter einem beliebigen Winkel gebogenen Röhre,welche an beiden Seiten offen ist. Füllt man diese Röhre mit Wasser, wendet sie um undbringt zugleich den einen Schenkel der Röhre in ein mit Wasser gefülltes Gefäß, so fängtder Heber an zu laufen und die äußere Luft drückt daS in dem Gefäße befindliche Wasser indem Heber fortwährend hinauf, sodaß dasselbe aus dem Heber so lange ausfließt, bis derWasserspiegel mit dem Ende des Schenkels in gleicher Höhe steht. Dann hört der Heberauf zu fließen, sängt aber sogleich wieder an, wenn man das Gefäß von neuem füllt. DieBedingungen, unter welchen ein Heber fließt, sind demnach: l) DerHeber muß luftleer odermit einer Flüssigkeit gefüllt sein; 2) seine Schenkel dürfen eine Höhe von 32 F. nicht über-steigen, weil der Druck der Luft nur dem einer Wassersäule von 32 F. gleich ist; 3) dieAusflußöffnung des Hebers muß tiefer liegen als der abzuhebende Wasserspiegel. Früherwar man der Meinung, daß der Ausflußschenkcl des Hebers länger sein müsse als der Auf-saugungsschenkel. Die Versuche von Jordan und Reisel in Stuttgart aber haben schon1685 den Ungrund dieser Annahme dargethan, weshalb man die Heber mit gleichlangenSchenkeln wü rtemb erg. Heb er nennt. Die gewöhnlichen kleinen Heber, deren sich dieWeinhändler, Brauer u. s. w. zum Abziehen der Flüssigkeiten bedienen, werden nicht zu-vor mit Flüssigkeit gefüllt, sondern man saugt dieselben an wie einen Stechheber. Hatman jedoch einen Heber anzuwenden, welcher zu groß ist, um angesaugt zu werden, so er-hält derselbe im höchsten Punkte eine Öffnung, welche luftdicht verschlossen werden kann.Soll nun der Heber ,angelaffen werden, so füllt man, indem man seine beiden Enden schließt,durch die genannte Öffnung den Heber an, schließt dieselbe dann sorgfältig und öffnet zu-letzt beide Enden, worauf der Heber zu fließen anfängt und so lange auöfließt, bis die Was-serspiegel gleich stehen. Eine Anwendung des Hebers im Großen hat man bei dem Kanalvon Languedoc (6-msI <lu micki) in Frankreich gemacht, welcher durch Bergwäffer oft sosehr angefüllt wird, daß man ein Überlaufen befürchten mußte. Man legte deshalb Heberin den Kanal, deren höchster Punkt noch unterhalb der Krone der Kanalwände lag. So-bald nun der Kanal sich bis zu dem höchsten Punkte des Hebers füllte, begann dieser zulaufen und führte das überflüssige Wasser an den Berghängen hinab. Da aber die Heber,deren Schenkel natürlich bis zum Boden des Kanals reichten, nicht eher würden zu laufenausgehört haben, bis der Kanal ganz leer gewesen wäre, so brachte man in denselben in der. Conv.-Lex. Neunte Ausl. VI. <16