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worden, daß der Fürst Esterhazy ihn 1769 an die Spitze seiner Hauskapelle stellte. Fürihn setzte H. seine schönen Symphonien, eine Gattung, in welcher er unter'allen Compo-nisten der Erste ist, und den größten Theil seiner herrlichen Quartetten, sowie auch Mehresfür das Bariton. In dieser Stellung componirte er auch, als sein Beschützer die Absichthatte, die Kapelle zu entlassen, die unter dem Namen „Haydn's Abschied" bekannte Sym-phonie, in welcher ein Instrument nach dem andern verstummte, und jeder Musiker, sobalder geendigt hatte, sein Licht auslöschte, sein Notenblatt zusammenrollte und mit seinem In-strumente fortging. Der Erfolg soll gewesen sei», daß der Fürst seinen Entschluß sofortänderte und die Kapelle nicht entließ. Eine höchst schwierige Ausgabe, die er aber überausglücklich löste, war die Komposition der „Sieben Worte des Erlösers am Kreuze", die ihmI78S von einem Kanonikus zu Cadiz übertragen wurde und die er ursprünglich blos fürInstrumente setzte, denen er erst später die Singstimmen hinzufügte. Jndeß erst nach demTode des Fürsten Esterhazy im I. 1799, als er seiner Stelle, zugleich aber auch aller drü-ckenden Fesseln enthoben wurde, fing er an zu ahnen, was er vermöge. Mit dem Violini-sten Salomon ging er 1799 nach England, wo er die glänzendste Aufmchme fand. VonEngland ging der Ruf H.'s aus, der ihm in seinem Vaterlande erst spät allgemein zu Theilwurde, wiewol man seine Verdienste zu keiner Zeit verkannte. Nachdem er 1891 ausEngland zurückgekehrt, kaufte er sich in einer der Vorstädte Wiens ein kleines Haus miteinem Gärtchen. Hier componirte er die „Schöpfung" und die „Jahreszeiten". JenesWerk, in dessen Harmonien ein jugendliches Feuer strömt, verfaßte er in seinem 65. Jahre;die „Jahreszeiten" waren seine letzte Arbeit; er vollendete sie in elf Monaten. Übrigensist die Zahl seiner Werke sehr groß, obschon er nie schnell, sondern sehr bedächtig arbeitete.Er componirte 118 Symphonien, 83 Quartetten, 24 Trios, 19 Opern, 5 Oratorien, 163Stücke für das Bariton, 24 Concerte für verschiedene Instrumente, 15 Messen, 19 kleinereKirchenstücke, 44 Claviersonaten mit und ohne Begleitung, 42 deutsche und ital. Lieder,39 Kanons, 13 drei- und vierstimmige Gesänge, die Harmonie und das Accompagnementzu 365 altschot. Liedern und außerdem eine große Anzahl Divertimenti, Phantasien undmehrstimmige Stücke für Instrumente. H. ist für die Instrumentalmusik ein Muster undmit ihm beginnt eine neue Epoche für dieselbe. Unerschöpflich im Erfinden und Ausführen,stets neu und eigenthümlich, überraschend und befriedigend, wußte er mit schöpferischerKraft den Zeitgeschmack zu beherrschen. Durch seine Quartetten und Symphonien wurdeer gleichsam der zweite Schöpfer dieser Gattungen, die durch Mozart und namentlich Beet-hoven auf ihren Höhepunkt gebracht wurden. Einige Jahre vor seinem Tode schloß dieDilettantengesellschaft in Wien ihre Winterconcerte mit einer glänzenden Aufführung der„Schöpfung", zu welcher er eingeladen wurde. Der ausgezeichnete Empfang machte aufden schwachen, durch die Last der Jahre gebeugten Greis den außerordentlichsten Eindruck;aber noch tiefer erschütterte ihn sein eigenes Werk, und bei der Alles ergreifenden Stelle:„Es ward Licht" fühlte er sich dergestalt überwältigt von der Gewalt der Harmonien, dieer selbst geschaffen, daß ihm die Thränen über die Wangen rollten, und er mit empocgeho-benen Armen ausrief: „Nichtvon mir, von dort kommtAlles!" Den ihn bestürmenden Ge-fühlen unterliegend, mußte er hinweggctragen werden. Er starb zu Wien am 31. Mai 1899.
Haydn (Michael), des Vorigen Bruder, einer der vorzüglichen Kirchencomponisten,wurde zu Rohrau am 14. Sept. 1737 geboren. Seine vortrefflichen Anlagen, besondersseine schöne Stimme verschafften ihm das Glück des Schulunterrichts in Wien, wo er Ge-legenheit fand, an den Werken der größten Meister, wie durch Orgelspiel in der Stephans-kirche sich zu bilden. Von Jugend auf war seine Seele mehr auf das Großartige undErnste, mehr auf das Ewige der Religion als auf Humoristisches und Scherzhaftes ge-richtet. Daher stand er auch bald als Organist und Kirchencomponist, in aller tiefer» Kunstdes Contrapunkts Meister, wahrhaft musterhaft da. Nur seinen im Äußern wenig glück-lichen Lebensverhältnissen ist es beizumesscn, theils daß er nur von den Meistern selbstnicht so allgemein von der Menge nach Verdienst anerkannt wurde, theils daß er, gedrängtvon Verhältnissen, in seinen Werken sich nicht immer gleich blieb. Nachtheilig für seineAusbildung war es, daß Lr schon im 29. Jahre Kapellmeister zu Großwardein wurdeSpäter wurde er Musikdirektor in Salzburg, wo er am 19. Aug. 1896 starb. Seine Kir-