708 Hautecombe Hauy (Rene Just)
Hautecombe, ein« in der savoyischen Provinz Chambery am westlichen Ufer desSces Bourget malerisch gelegene Cistercicnserabtei, wurde schon zu Anfang des I2.Jahrh.von den Grafen von Savoyen gegründet und zur Erbbegräbnißstätte ausersehen. DurchViesen Vorzug begünstigt, gelangte sie bald zu hohem Ansehen und Glanze, den sie vieleJahrhunderte hindurch bewahrte, bis sie im östr. Erbfolgekriege von den Spaniern hartmitgenommen und in der franz. Revolution völlig ausgeplündert und aufgehoben wurde,worauf man im 1.1800 die geräumigen Gebäude zu einer Fayencefabrik einrichtete. Kö-nig Karl Felix lief sie 1824 im goth. Stile, als die Ruhestätte seines Hauses, wieder Her-stellen und auch die geplünderten, zerstörten Gräber seiner Ahnen nach Möglichkeit er-neuern. Unfern davon ist in einem Haine ein sogenannter Wunderquell toataine in-tr-rmittsnte), der eine Stunde lang sprudelt, dann versiegt und nach einem gleichen Zwi-schenräume mit großem Geräusch von neuem hervorbricht.
Hautelisse-Tapeten, s. Tapeten.
Hautreliefstich oder Cvllas-Manier nennt man ein Verfahren, welches einegetreue Abbildung jedes erhabenen Gegenstandes auf rein mechanischem Wege im Kupfer-stiche erzielt. Dieses geschieht dadurch, daß man mit einem Stift senkrecht, in parallelenZügen, über den abzubildenden Gegenstand und dessen sämmtliche Erhöhungen und Ver-tiefungen hinfährt, und daß ein anderer Stift durch eine entsprechende Hebelverbindungdie sämmtlichen Linien, welche der erste beschreibt, wagerecht auf die Kupferplatte über-trägt. Durch die Zusammenordnung der Linien auf der Kupferplatte entsteht ein Bild,welches die Licht- und 'Schattenwirkung des erhabenen Originals täuschend nachahmt.Der Erfinder dieser Relief-Copirmaschine ist der Mechaniker A. Collas in Paris,der sie in den J. 1830 und >831 construirte. Mittels derselben wurde das umfangreicheKupferwerk „Trösor de nuwismatiqne et de 8>xptiq>ie" (220 Lief., Par. 1837) unter-nommen. Später trat in Deutschland Karmarsch (s. d.) mit einer eigenthümlich con-struirten Relief-Copirmaschine auf. Vgl. dessen „Beschreibung einer Reliefmaschine"(Hann. I83S). Der künstlerische Erfolg dieser Maschinenarbeiten ist in der Thal höchstbewunderungswürdig; doch sind sie nicht für alle Fälle gleich anwendbar, erfodern auchstets, um die richtige Schattenwirkung hervorzubringen, bei der Anlage der Striche einkünstlerisches Urtheil.
Hauy (RönöJust), berühmter franz.Mineralog, geb. am 28.Febr. 1743 zu Saint-Just in der Picardie, wo sein Vater Weber war, erhielt auf Empfehlung der Geistlichenseines Geburtsorts, welche seine frühreifen Talente erkannt hatten, eine Freistelle im Col-lege de Navarre zu Paris. Nachdem er hier seine Studien vollendet hatte, wurde er erst inder Anstalt, der er seine Bildung verdankte, und dann im College des Cardinals Lemoineals Lehrer verwendet. Neben seinen eigentlichen Berufsarbeiten trieb er physikalische Stu-dien und stellte vorzüglich Untersuchungen über die Elektricität an. Auch die übrigen Na-turwissenschaften wurden von ihm mit Liebe erfaßt; besonders fühlte er sich von der Mi-neralogie, in die er durch Daubenton eingeführt wurde, hingezogen. Wichtige Entdeckun-gen, welche er bald, besonders in Bezug auf die KrystallisationsgeseHe, machte, bestärktenihn in seiner Neigung und lenkten die Aufmerksamkeit der gelehrten Welt auf ihn. AufEmpfehlung Daubenton's und Laplace's wurde er im Febr. 1793 am äardin des plsntesals Professor angestellt. Während der ersten Stürme der Revolution, deren Grundsätzeer nicht theilte, war er mehrfachen Anfeindungen und Nachstellungen ausgeseht und ver-dankte seine Befreiung aus dem Gefängnisse des Seminars St.-Firmin, aus dem er aufdas Schaffst wandern sollte, nur der Fürsprache Geoffroy Saint-Hilaire's. Glücklicher-weise wurden indessen die Zeitumstände für H.'s Bestrebungen wieder günstiger. Nochim I. 1793 wurde er zum Mitglied? der Oonunission des poids et mesures, dünn zumProfessor an der Normalschule und 1794 zum Conservator des <7abinet desmmes er-nannt. Unter den glücklichsten Verhältnissen arbeitete er hier seinen berühmten „Drsitöde miuersloßie" (4 Bde-, Par. 1801, mit Atlas; 2. Ausl., 1822) aus, der ihm denLehrstuhl der Mineralogie verschaffte, welcher durch Dolomieu's Tod, im Dec. 1802, er-ledigt war. Bei der Stiftung des Instituts wurde H. Mitglied desselben. Er erhielt vonNapoleon zahlreiche Zeichen besonderer Anerkennung. So mußte er auf Befehl desselben