Haut 707
ist fest, schwer zu zerreißen, dabei aberweich und elastisch, an verschiedenen Stellen mehroder weniger dick und dicht, am dicksten und festesten an der Fußsohle, Hohlhand und andem behaarten Theile des Kopfes, am feinsten und zartesten an den Augenlidern, der weib-lichen Brust und einigen andern Stellen. An ihrer nach außen zugekehrten Oberfläche hatsie eine Menge Erhabenheiten und Vertiefungen, welche durch die Oberhaut, die sich dichtan sie anschließt, vollkommen sichtbar sind. In der Lederhaut verzweigen sich in unendlicherMenge die Nerven und Gefäße, welche theils die Absonderung des Malpighischen Schleim-nehes (rete mucosum Llichnglü), einer zwischen der Oberhaut und Lederhaut abgelagertenäußerst dünnen Schleimschicht, die sich zur Oberhaut verdichtet, sowie des Hauttalges(selium), einer fettigen, öligen Substanz, welche die Haut geschmeidig erhält, und derHautausdünstung (materia perspirabilis), die dunstförmig oder tropfbarflüssig ist,vermitteln, theils der Haut das feine Gefühlsvermögen geben, da die Oberhaut jeden Druckauf die sich in den Gefühlswärzchen (pupillae corii seu tactuz) endigenden Nerven leichtfortpflanzt. Unter der Lederhaut liegt eine nach den verschiedenen Stellen mehr oder weni-ger dicke Lage Fett (panniculus aäiposus), welche, die Haut mit den darunter liegendenOrganen locker verbindet. Die Haut des Menschen ist nach Alter, Geschlecht, Beschäfti-gung und Nation an Dicke, Dichtheit, Feinheit des Gewebes und Farbe sehr verschieden.Die Farbe derselben, welche mit unendlichen Nüancirungen weiß, weißröthlich, flcischfar-ben, braungelb, dunkelbraun und schwarz gefunden wird, ist eine Erscheinung, die mandurchaus noch nicht hinlänglich zu erklären vermag; denn die jetzt allgemeine Annahme,daß die Absonderung der Lederhaut, das Malpighische Schleimnetz, welches nack und nachin Oberhaut übergeht, der Sitz dieser Färbung sei, erklärt noch keineswegs die Erfahrung,daß in der Regel die Menschen der heißen Klimate dunkler als die der kältern sind. WederErblichkeit noch Klima können die alleinige Ursache davon sein, da im Norden weiß gebo-rene Negerkinder nach wenig Tagen schwarz werden, und wiederum Europäer unter derheißen Zone sich nach und nach dunkler färben. Auch können krankhafte Einflüsse, z. B.Eemüthsbewegungen, die Farbe der Haut und zwar mit überraschender Schnelligkeit verän-dern. Die physiologische Bedeutung der Haut ist sehr groß; denn die Haut verhindert dasEindringen fremdartiger Stoffe in den Körper, mindert die schädlichen Einwirkungen derLuft, Feuchtigkeit, Wärme, Kälte, Elektricität u. s. w-, bewahrt den Körper vor mechani-schen Verletzungen, sondert einen Theil der dem Körper entbehrlichen Stoffe ab, saugt imGegentheil wieder andere ihm nöthige ein und ist der Hauptsitz des Tastsinns (s. d.).Diese vielen Verrichtungen, der innige Zusammenhang mit dem innern Organismus undauf der andern Seite die stete Berührung mit.Her Außenwelt machen die Haut zu vielenKrankheiten geneigt. Eine Hautkrankheit würde eigentlich jede Abweichung der Hautvon ihrem normalen Zustande bedeuten; gewöhnlich aber versteht man unter Hautkrank,heilen nur Hautausschläge oder Exantheme (s. d.). Die Vielfältigkeit der Hautkrank-heiten und ihrer Ursachen verpflichtet den Menschen zu einer sorgfältigen Pflege der Haut,deren erstes Gesetz Reinlichkeit ist. Diese wird in erhöhtem Grade in südlichen Klimatendurch die daselbst beträchtlich vermehrte Hautausdünstung gefodert, wo auch Sitte, bür-gerliche und religiöse Gesetzgebung sich vereinigen, dieses Hauptmittel zur Erhaltung derGesundheit in der ihm zukommcnden Würde zu erhalten. Einen bedeutenden Einfluß aufdie Haut hat ferner die Quantität und Qualität der genossenen Speisen und Getränke,sodaß Mäßigkeit und passende Auswahl in dieser Hinsicht einen wesentlichen Theil derHautpflege ausmachen. Der innige Zusammenhang der Haut mit dem innern Organis-mus durch Nerven und Gefäße und die dadurch hervorgebrachte und modisicirte Farbe,Feuchtigkeit und Temperatur geben dem Arzte in vielen Fällen durch Gesicht, Geruch undGefühl gleich bei der ersten Untersuchung eines Kranken wichtige Aufschlüsse über den in-ner» Zustand des Körpers, und besonders weiß die Erfahrung diese Anzeichen hoch zu schä-tzen. Die Anatomie kennt noch eine Menge anderer Organe, die sie Mt dem NamenHäute (telae et membranae) bezeichnet und die sämmtlich darin Übereinkommen, daß sieentweder ein Organ über - oder eine Höhle auskleiden. Daher spricht man von sehniger,seröser, fibröser, Schleim-, Gefäß-, Nerven-, Knochenhaut u. s. w.
45 *