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6 (1845) Gebler bis Heilsordnung
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Hausen Hauser

dem Tonstücke Einheit zu verschaffen. (S. Ton.) In einem andern Sinne heißt derjenigeTon Haupt- oder vielmehr Grundton, welcher in einem Accoibe der tiefste ist, weilgleichsam die ganze Harmonie auf ihn gegründet ist und aus ihm steh entwickelt. Biswei-len heißt auch Hauptton der Ton, der als beziffert in Tonstücken vorkommt, zum Unter-schiede von denjenigen Tönen oder Noten, welche man durchgehende nennt.

Hausen, im Russischen Beluga, heißt ein zum Störgeschlechte gehöriger Fisch, dersich im Mittelländischen, Schwarzen und Kaspischen Meere aufhält, zur Laichzeit aber indie Donau, Wolga und andere große Flüsse kommt. Sein Fleisch wird theils gesalzen, theilsgetrocknet genossen; derRogen liefert den Caviar (s. d.), aus der Schwimmblase wird derals russ. Hausenblase bekannte Fischleim bereitet, der weiß, halb durchsichtig, zähe,trocken und geruchlos sein muß und im Preise steigt, je mehr er diese Eigenschaften besitzt.

Hauser (Kaspar), der nürnbergische Findling, wurde am zweiten Pfingstfesttage(28. Mai) >828 Nachmittags zwischen vier und fünf Uhr auf dem Unscklittmarkte zuNürnberg von einem daselbst wohnenden Bürger bemerkt. Er war als Bauernburschegekleidet und hatte einen Brief an den Rittmeister bei der vierten Escadron des sechstenReiterregiments zu Nürnberg bei sich. Zu diesem geführt und dort befragt, zeigte es sichbald, daß er ganz unbehülflich in Sprache und Benehmen und gänzlich unwissend war.Auf alle Fragen antwortete er:Von Regensburg", oder:Ich woais nit"; jedoch schrieber in festen leserlichen Zügen seinen NamenKaspar Hauser" auf einen Bogen Papier,ohne jedoch, obgleich er dazu aufgefodert wurde, den Ort seiner Herkunft oder sonst etwasbeizufügen. H. war damals dem Ansehen nach >617 Jahre alt. Sein Körperbau, un-tersetzt und breitschulterig, zeigte vollkommenes Ebenmaß. Seine Haut war sehr weiß undfein; seine Glieder waren zart gebaut, die Hände klein und schön geformt, ebenso die Füße,die keine Spur zeigten, daß früher ein Schuh sie beengt habe. Gegen alle Speisen undGetränke, außer trockenem Brot und Wasser, zeigte er heftigen Widerwillen. Sein Spre-chen beschränkte sich auf wenige Wörter oder Sätze im altbair. Dialekte. Mit den gewöhn-lichsten Gegenständen und den alltäglichsten Erscheinungen der Natur zeigte er große Un-bekanntschaft und gegen die Bequemlichkeiten und Bedürfnisse des Lebens große Gleich-giltigkeit. Unter den nvthdürftigen Kleidungsstücken befand sich ein Schnupftuch mit L. ll.gezeichnet; außerdem hatte er einige geschriebene katholische Gebete bei sich. In dem mit-gcbrachten Briefe, datirtvon der Bayerschcn Gränz daß Orte ist unbenannt t828", gabsich der Schreiber desselben für einen armen Tagelöhner und Vater von zehn Kindern aus,und sagte, der Knabe sei am7.Oct. >812 von seiner unbekannten Mutter ihm vor dieThürc gelegt worden und er habe ihn heimlich aufgezogen, nicht vor das Haus gelassen,aber Lesen, Schreiben und das Christenthum gelehrt; derselbe wolle Reiter werden.In dem Briefe lag ein wie von der Mutter (mit lat. Buchstaben) geschriebener Zettel,worin es hieß, daß sie ein armes Mägdlein, der Knabe am 3V. Apr. 18 l 2 geboren wor-den, sein Name Kaspar und sein Vater, ehemals Chevauxlegers beim sechsten Regimentin Nürnberg, gestorben sei. H. wurde vom Magistrat in Nürnberg als ein verwahrlosterJunge aus unbekannter Heimat behandelt, und eS wurde ihm allgemeine Theilnahme, ins-besondere'vom Bürgermeister Binder, geschenkt, der sich bemühte, das Dunkel, welchesüber der Herkunft und den Verhältnissen des jungen Menschen lag, zu lichten. Als Re-sultat vielfacher Unterhaltungen mit ihm stellte sich heraus, daß H. von seiner Kindheit anblos mit einem Hemde und mit Hosen bekleidet, in einem finstern unterirdischen Behält-nisse, worin er nicht einmal ausgestreckt liegen konnte, bei Wasser und Brot von einem ,Manne aufgezogen war, der sich selbst ihm nicht zeigte, sondern ihn, während er im natür-lichen oder durch Opiate bewirkten Schlafe lag, mit Speise und Trank versorgte, reinigteund ankleidete. Das Spielen mit zwei hölzerne» Pferden war seine einzige Beschäftigung.Einige Zeit vor der Wegführung nach Nürnberg hatte der Mann sich in dem Kerker öftereingefunden und ihm durch Führung seiner Hand im Schreiben, sowie durch Aufhebender Füße im Gehen unterrichtet.

Diese Erzählung wurde die Qüelle vieler Vermuthungen und Gerüchte, nach wel»chen H. bald die Frucht einer verbotenen Liebe und der natürliche Sohn eines Geistlichen»der einer vornehmen ledigen Mutter, bald ein Fürstenkind oder das Opfer einer tückischen