Harpokration Harrach (Gräfin) 675
weshalb er als ein zartes, gebrechliches und lahmes, des Redens unfähiges Kind, theils alsSäugling an seiner Mutter Brust, theils in einer Lotusblume sitzend, theils in einem Milch-kahn stehend, mit Sonne und zwei Sternen über dem Haupte, dargestcllt wurde. Er ist je-! denfalls nichts als eine Modifikation des Horus (s. d.) und versinnbildlicht den jährlichenAufgang der Sonne unmittelbar nach dem Wintersolstitium, wenn ihre sich erneuerndenStrahlen und ihre Kraft noch schwach und die Tage noch kurz sind; da aber nach dem Win! tersolstitium in Ägypten der Pflanzenwuchs v»n neuem beginnt, so stellt er auch jene Machtl in der Natur dar, welche, vorzüglich durch die zwar noch schwachen, aber doch im Steigenbegriffenen Sonnenstrahlen das Aufsprossen der Pflanzen und das Aufspringcn der Kno-spen bewirkt. Deshalb wurden ihm auch die Erstlinge der Linsen, Pfirsiche, welche letztereihm nächst dem Lokus heilig waren, und anderer Pflanzen im Monat Meson zum Opfer, gebracht. Da er, um seine Unfähigkeit zum Reden zu bezeichnen, häufig mit dem Fingerauf dem Munde dargestellt wird, ss machten ihn die Römer, bei denen in der spätern Zeitsein Cultus trotz mehrer Verbote sehr in Aufnahme kam, zum Gott des Geheimnisses undSchweigens und trugen häufig sein Bild als Talisman in Ringen und am Hals.
Harpokratlvn (Valerius), ein alexandr. Grammatiker um die Mitte des 4. Jahrh.
! n. Ehr., verfaßte ein für das Verständniß der attischen Gerichtssprache überaus brauchbaresWörterbuch zu den zehn attischen Rednern, „b>sxicon elecem »ratorum grase.", welchesj mit den Kommentaren der früher» Herausgeber, Mauffac und Blancard, von I. Gronov(Leyd. 1696, 4.; neue Ausg. von W. Dindorf, 2 Bde., Lpz. 182-t) und mit einem kritisch
> berichtigten Texte von I. Bekker (Berl. > 833) am besten hcrausgegeben wurde.
l Harpune heißt das beim Walfischfange gebrauchte, wie ein Pfeil gestaltete, vorn
j mit Widerhaken versehene, etwa zwei Fuß lange Eisen, an dessen obern Ende sich als Hand-"k griff ein vier bis fünf Fuß langer Schaft und daneben in einem Ringe die Walfischleines befindet. Der Harp untrer bedient sich dieses Speers zum Anschießen des Walfisches;
kleinere Harpunen werden zur Jagd auf Delphine benutzt. Die Engländer haben in! neuerer Zeit versucht, dieses Geschoß aus Flinten oder kleinen Kanonen zu werfen.
Harpyien heißen die unbestimmten mythischen Wesen von räuberischer Natur undscheußlicher Gestalt, die zuerst in der „Odyssee" Vorkommen, wo es von spurlos von der ErdeVerschwundenen heißt, dieHarpyien hätten sie hinweggerafft. In der „Ilias" wird nur aneiner Stelle eine Harpyie erwähnt, diePodarge, welche dem Zephyrus die Rosse desAchilles gebar. Nach Hefiod, bei dem sieÄllo und Okypete heißen, find sie Töchter desThaumas und der Elektra, Schwestern der Iris, geflügelt und schneller als der Wind. Zueiner Art Strafgöttinnen wurden sie erst später, wo man ihnen dann auch ein entsprechen-des Äußere gab. Man schilderte und stellte sie nämlich dar als Raubvögel mit jungfräu-lichen Gesichtern, menschlichen Armen, großen Klauen u. s. w. Namentlich spielen sic eineNolle in der Geschichte des Phincus (s.d.). Virgil bei dem die eine der HarpyienCeläno heißt, setzt ihre Wohnung auf die strophadischen Inseln, oder nach einer andernStelle an den Eingang der Unterwelt. Berübmt ist das Harpyienmonumcnt von Xanthos.i Harrach (die Grafen), in Böhmen und Ostreich begütert, katholischer Religion,
l sind eins der ältesten Geschlechter der östr. Monarchie, welches >559 mit dem dem jedes-! maligen Senior der Familie zustehenden Oberst-Erbkmdstallmcisteramte in Ostreich ob derEns bcliehen, >616 in den Grafcnstand, >627 in Karl von H., dem Lieblinge Kaiserj Ferdinand's II., in den Neichsgrafcnstand erhoben wurde und, jedoch nur als Personalist,Sitz auf der schwäb. Grafenbank erhielt, weshalb ihm auch 184 > durch die kaiserliche Hof-kanzlci der Titel Erlaucht zuerkannt worden ist. — Der älteste Sohn des Grafen Karl vonH., ErnstAlbr., gcb. >598, gcst. >667, warCardinal und Erzbischof, erst zuPrag, dannzu Trient, und machte sich in der Geschichte der böhm. Unruhen bekannt. — Auch war Wal-lenstcin, Hcnog von Fricdland, mit einer Elisabeth von H. vermählt. — Von Ernst* Albrccht's Brüdern stifteten der ältere, Karl Leonrad, die Linie Nohrau, der jüngere,
> Otto Friedr., die Linie zu Bruck (an der Leitha), welche letztere unter ihren Gliedernmehre ausgezeichnete Persönlichkeiten zählt. — So Ferd.Bonavcntnra, gcb. 1637,gcst.
, >796, der sich als Gesandter am span. Hofe vergebens bemühte, die Succcssion der östr.
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