67L Harnisch (Wilh.) HarpokrateS
braucht. — In der Weberei, wo alle großblumige oder gezogene Zeucht auf einem Stuhlegewirkt werden, der neben seinen gewöhnlichen Theilcn eine Menge schwebender Schnürehat, die zum Thcil mitten in dem Stuhle an dem Rahmkorden meist senkrecht herunter-hängen, werden diese Schnüre Harnische genannt.
Harnisch (Wilh.), früher Director des Schullehrerscminars zu Wcißcnfcls, jetztPfarrer in Elbei bei Wolmirstedt im Regierungsbezirke Magdeburg, einer der verdientestenPädagogen in der neuesten Zeit, gcb. am 28. Aug. 1787 zu Wilsnack im Regierungsbe-zirke Potsdam, wo sein Vater ein wohlhabender Bürger und Schneidermeister war, be-suchte von Ostern 1800 an das Gymnasium in Salzw'cdel und bezog >806 die Universitätzu Halle. Nach Aufhebung derselben kehrte er in seinen Geburtsort zurück, wurde eine Zeitlang Hauslehrer und ging l 808 auf die Universität zu Frankfurt, wo er der Pädagogiksich zuzuneigen anfing. Nach einem Jahre wurde er wieder Hauslehrer und 181o aufKosten des Staats nach Berlin berufen, um in dem Plamann'schcn Erziehungsinstitutedie Pestalozzi'sche Methode kennen und ausüben zu lernen. Hier benutzte er den Umgangmit Fichte, Schlciermachcr, Köpke, Zeune, Klöden, Jahn u. A-, sowie die neucrrichteteUniversität zu seiner weitern Ausbildung; auch nahm er Thcil an den damaligen politischenBestrebungen. Im I. >812 wurde er erster Lehrer an dem nach Pestalozzi'schen Grund-sätzen einzurichtenden Schnllchrcrseminar in Breslau. Eine Zeit lang übernahm er hierauch einen Thcil des Unterrichts der Prinzessin Charlotte, jetzigen Kaiserin von Rußland.Um die Hebung des schles. Volksschulwescns hat er sich durch Wort und That große Ver-dienste erworben. Mit Wachler, Gaß, Kayßlcr, von Winterfeld, Steffens, F. und K. vonRaumer, Passow und Schneider lebte er in einer schönen wissenschaftlichen Verbindung;auch hörte und hielt er akademische Vorträge. Im I. >822 wurde er zum Director desSchullehrerscminars in Weißenfcls ernannt, und in dieser Stellung erwarb er sich um dasVolksschulwescn im Regierungsbezirke Merseburg nicht geringere Verdienste, als um dasschlesische. Nachdem er 1830 einen Ruf als Director des Seminars für Stadtschullehrcrin Berlin ausgcschlagen, auch sonst keine Veranlassung benutzt hatte, in eine höhere Stelleder Schulverwaltung einzurücken, folgte er >812 seiner Neigung zum geistlichen Berufeund wurde Pfarrer in Elbci. H. war ein tüchtiger Scminardircctor und ein guter Lehrer.Seine vorherrschende Gemüthlichkeit und andere Ursachen ließen ihn zum Mysticismus,oder vielmehr zur Orthodoxie Hinneigen, welche Richtung besonders in seinen spätemSchriften sich auffallend wahrnehmen läßt. Seine weitverbreiteten Schriften, durch welcheer namentlich das Volksschulwescn bedeutend gefördert hat, beweisen, daß cs ihm nicht ander Gabe edler Popularität fehlt, aber auch, daß er nicht immer klar denkt. Besondere Er-wähnung verdienen „Die deutschen Volksschulen" (Berl. >812), seine erste Schrift, dieer später ganz umgearbeitet unter dem Titel „Handbuch für das deutsche Volksschulwescn"(Bresl. 1820; 3. Aufl., 1839) erscheinen ließ; ferner „Vollständiger Unterricht in derdeutschen Sprache" (3 Bde., Bresl. 1818); „Die Weltbünde" (3 Bde., 3. Aust.,Brest. 1827); „Das Leben des 50jährigen Hauslehrers Felix Kaskorbi" (2 Bde., Bresl.1817), „Die wichtigsten neuern Land- und Seereisen für die Jugend" (l6 Bde., Lpz.>821—3 2); „Die deutsche Bürgerschule" (Halle 1830); „Erbauliche Betrachtungen überLuther's Kleinen Katechismus" (Bd. 1, Braunschw. 1835); „Das weißenfelser Schul-lchrerseminar und seine Hülfsanstalten" (Berl. 1838); „Entwürfe und Stoffe zu Unter-redungen über Luther's Kleinen Katechismus" (3 Bde., Weißens. 1837—40; Bd. 1,3. Aust., 1841) und „Das preuß. Schulwesen in seiner Entwickelung unter dem Ministe-rium Altenstein" (1844). Außerdem gab er heraus die Zeitschriften, den „Schulrath an derOder" (24 Hefte, Bresl. ,815—20) und den „Volksschullchrer" (5 Jahrg., Halle 1824—28) sowie „Frisches und Firnes zu Rath und That" (3 Bdchen., Eisleb. 1835—39).
Harpeis nennt man gekochtes und abgeschäumtes Harz, dem gewöhnlich etwasSchwefel zugesetzt wird, um ihm mehr Glanz zu geben. Man benutzt es, namentlich in denNiederlanden, zum Anstrich der Masten und Segelstangen, auch wol des ganzen über Was«ser befindlichen Theils des Schiffskörpers.
HarpokräteS, ein ägypt. Gott, war c>em Mythus zufolge, nach Osiris' Tode un^Wiederkunft aus der Unterwelt, von der Isis um das Wintersolstitium unzeitig geboren,