Harnisch 673
mittel aus. Die Schnelligkeit, mit welcher der Übergang der Bestandtheile derselben in denHarn geschieht, ist staunencrregcnd, da manche derselben sich schon in dem einige Minutennach ihrem Genüsse entleerten Harn bemerkbar machen, obgleich sic erst durch Aufsaugungim Magen und Darmkanal in die Blutmasse ausgenommen werden müssen, uni in denNieren wieder ausgeschiedcn werden zu können, da sich durchaus keine directe Verbindungzwischen dem Nahrungskanal und den Nieren aufsinden läßt. Auf ebenso verschiedene Artwird der Harn durch Krankheiten modisicirt, sodaß er dem Arzte in vielen Fällen als diag-nostisches Merkmal dient. In srühcrn Zeiten wurde großer Werth auf dieses Symptomgelegt, und namentlich Charlatane rühmten sich durch Besichtigung des Har ns („x>-scopi») allein sogleich über die Diagnose und die Behandlung einer Krankheit ins Klarezu kommen, während man in neuerer Zeit vielleicht bisweilen zuwenig Rücksicht auf diesesSymptom genommen hat. Die genaue wissenschaftliche Untersuchung des Harns hat zeit-hcr viele Chemiker beschäftigt, unter denen wir nur Scheele, Berthollet, Fourcroy, Vau-quelin, The'nard und Berzelius herausheben. Einen bedeutenden Theil der Pathologiefüllt die Lehre von den Krankheiten der Harnwerkzeuge aus, welche lheils in diesen Or-ganen selbst, theils im Harn ihren Ursprung und Sitz haben. Entzündungen und dar-auffolgende Vereiterungen oder organische Verbildungen, krampfhafte Affectionen mitHarnverhaltung (isdmriu), Schwäche derBlasenmuskeln mit unwillkürlichem Harn-abgänge (iucoiitinentia „rinne) u.s.w.sind nicht selten und meist gefährlich undschmcrz-haft oder wenigstens beschwerlich. Der Harn selbst wird ferner krankhaft verändert, ohnedaß eins der Harnwerkzcuge Anlaß dazu zu geben scheint, in der H arnruhr (cliildetes),einer abzchrendcn, ihrer Natur nach noch wenig erkannten Krankheit, und bei der Ablage-rung von Harngrics und Harnsteinen. (S. Stein.) Die Harnwerkzcuge derSäugthiere haben sehr große Ähnlichkeit mit denen des Menschen, bei den Vögeln und Am-phibien jedoch wird der Harn in den untern Theil des Darmkanals geleitet und hier meistcn-theils zugleich mit den andern Excremcnten entleert. Manche Fische besitzen ein der Harn-blase ähnliches Organ, andere entleeren den Harn unmittelbar durch die Harnleiter, nochandere mit den Darmauslcekungen zugleich. Bei einigen der niedriger stehenden Thierewill man Andeutungen von Harnwerkzeugen gefunden haben, doch sind diese Beobachtun-gen noch nicht hinlänglich constatirt; bei den meisten scheint die selbständige Absonderungund Ausleerung des Harns gänzlich wcgzufallen.
Harnisch. Der Harnisch ist nächst Helm und Schild das Hauptstück der Bewaff-nung, wie sie theils im Altcrthume, theils im Mittelalter gebräuchlich war. Der Harnischdiente zur Bedeckung des ganzen Oberkörpers und bestand aus Brust- und Rückenstück,die bei der Bewaffnung aneinander befestigt und so zu einem Ganzen verbunden wurden.Hatten Schild und Helm eine besonders wichtige Bedeutung dadurch erhalten, daß ausihnen die Wappen entstanden, so steht der Harnisch zwar hierin zurück; allein in Bezug aufkunstvolle Arbeit, Anbringen von Figuren u. s. w. legte man einen großen Werth. Schonaus dem Altcrthume kennen wir einzelne ausgezeichnete Arbeiten dieser Art, z. B. den Brust-harnisch des Agamemnon, des Pyrrhus und mehrer röm. Kaiser u. s. w., und aus demMittelalter sind viele derselben uns noch erhalten. Der hauptsächliche Werth des Harni-sches bestand darin, daß er den Körper gegen jede Waffe sicher stellte, und ihm diese Eigen-schaft zu geben, war das Hauptaugenmerk der Waffenschmiede. Es gab zwei Arten vonHarnischen, nämlich den aus einem Stück fest und stark geschmiedeten, meist mit erhabenemRücken auf der Brust entlang, und den aus lauter einzelnen übereinandepgelegten Eisen-blechen zusammengesetzten Schuppenharnisch. Letzterer war der bequemste, weil er sichden Körperbewegungen mehr fügte, crstcrcr aber der sichere, weil er vermöge seiner Stärkeden größten Schutz gewährte. Er war es auch, der bei Turnieren gebraucht wurde, für welchenZweck man ihm die größtmögliche Stärke gab. — Im Bergbau bezeichnet man mit Har-nisch die Ablösung des Ganges vom Gestein mit einer festen Oberfläche, sowie den Überzugvon Kies oder metallischen Körpern, welche sich auf die Flächen des Gesteins legen, sodaßdieselben das Ansehen haben, als wenn sie mit metallenen Plättchen belegt wären. —Bildlich wird Harnisch auch im Bauwesen von der Überkleidung der Materialien ge-
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