67V Harmonie« Harmonisch j
goldenen Netz gefangen wurde. Bei ihrer Vermählung mitKadmuS waren alle Götter zuge-gen. Kadmus gab ihr zum Brautgeschenk ein Gewand undjenesvomHephästus verfertigteunheilvolle Halsband, das er entweder vom HephästuS selbst oder von der Europa erhaltenhatte. Die Wirkung desselben empfand zuerst H. selbst, indem sie mit ihrem Gemahl nacheinem langen unglücklichen Leben nach Jllyrien ging, wo sic beide in Schlangen verwandeltwurden. Hierauf empfand dessen Wirkung Eriphyle (s. d.), welche von ihrem eigenenSohne Alkmaon ermordet wurde. Dann kam es an Phegeus undKallirrhoe. (S. Alkmäon.)Zuletzt wurde es von Alkmäon's Söhnen als Weihgeschenk im Tempel zu Delphi niederge-legt. Allein auch hier ging noch Unglück von ihm aus. Die Gemahlin des Ariston näm-lich, eines Feldherrn der Ötäer, wurde vom Tyrann Phayllos geliebt, wollte sich ihm abernur für dieses Halsband hingeben. Er raubte es daher und gab es ihr. Bald aber wurdeihr Sohn rasend und zündete das Haus an, welches mit Allem, was darin war, verbrannte.
Harmonie«, ein musikalisches Instrument, das aus einer Walze auf einem Fußgc-stelle besteht, an welcher gläserne Halbkugeln von regelmäßig abgestufter Größe befestigtund so ineinander geschoben sind, daß der Rand einer jeden hervorragt. Die Intonationwird durch die Fingerspitzen bewirkt, welche an die Ränder der Glasglocken gelegt werden,während die Walze durch einen Fußtritt in Umschwung gesetzt wird. Der Umfang des In-struments beträgt drei bis vier Octaven. Franklin (s. d.), dem man die Erfindung derHarmonie« zuschreibt, hat ihr wahrscheinlich nur eine verbesserte Einrichtung gegeben.
Das alte Glockenspiel, Carillon, auch Verrillon genannt, mag wol die erste Idee dazu ge-geben haben, die der Engländer Puckeridge und nach ihm Deiaval weiter verfolgte. Auchden Versuch, die Harmonica mit einer Tastatur zu versehen, hat man gemacht, dock mitwenig Glück. Der Klang der Harmonica ist durchdringend, hat aber dabei ein so eigen-thümliches, rührend weiches Gepräge, daß selbst der milde Flötenton noch hart dagegen ab-sticht. Sie will sich daher weder zur Verbindung mit andern Instrumenten, noch zur Be- >gleitung des Gesangs recht eignen. — Ein ganz anderes Instrument ist die sogenannteStahl- oderNagelharmonica, deren stählerne, in einen Halbkreis gestellte Stiftemit einer Art Geigenbogen gestrichen werden. Sie hat höchstens zwei Octaven, keine Halb-töne und ist wenig mehr als ein Spielwerk.
Harmomchord nannte Friedr. Kaufmann (s. d.) ein von ihm erfundenes Sai-teninstrument, dessen innere Einrichtung nicht bekannt ist.
Harmonie nennt man die den Gesetzen des Klangs angemessene gleichzeitige Ver-bindung der Tone zu einem Ganzen. Die Vereinigung mehrer Tvnreihen zu einem gleich-zeitigen Ganzen beruht auf den Gesetzen der Intervallen und Zusammenklänge oder Ac-corde, und die Härmonik oder die Harm oni elehre hat die Gesetze dieser Vereinigung,nebst Dem, was sich auf dieselbe wesentlich bezieht, aufzustellcn. Sie setzt daher die Lehrevon den Tönen, Intervallen, Tonarten und Klanggeschlechtern voraus, und hat es theilsmit der Accordfolge (Harnionie im engern Sinne), theils mit der Verbindung mehrer selb-ständiger Stimmen (Stimmführung, Kanvnik, Contrapunkt) zu thun. Es ist häufig inFrage gekommen, ob die Griechen die Harmonie gekannt haben; so natürlich aber die Be-gleitung einer Stimme durch die andere auch scheinen mag, so muß dies in dem ausgestell-ten Sinne doch geleugnet werden. (S. Griechische Musik.) Sowiesich dieMelodiemehr durch den Gesang, so hat sich die Harmonie mehr durch die Instrumente entwickelt.Anfangs bestand die Harmonie nur aus Consonanzen, und erst sväter kamen immer mehrDissonanzen hinzu, die man naturgemäß behandeln lernte. (S. Auflösung und Dis-sonanz.) — In einer ganz engen Bedeutung nennt man neuerdings Harmonien oderHa rmoniemusik Tonstücke blos für Blasinstrumente. <— Von der Musik hat man dasWort Harmonie aus jede wohlgefällige Übereinstimmung eines Mannichfaltigen über-getragen, insbesondere auf die Übereinstimmung der Theile in den Werken der bildendenKunst; daher man von einer Harmonie der Anordnung, des Ausdrucks, des Hellen undDunkeln und der Farben spricht, die in der Übereinstimmung der Farben eines Gemäldesuntereinander zu einem wohlthuenden Ensemble (s.d.) bestehen. (S. auch Prästabi-lirte Harmonie.)
Harmonisch heißt in der Mathematik eine Proportion 1) zwischen vier Größen