Harderwijk Hardonin 663
Dichterleben und ohne Makel, und obschon er als einer der vollkommensten Repräsentan-ten der romantischen Dichterschule gelten kann, hat er doch nie an den oft so hitzigen litera-rischen Streitigkeiten seiner Freunde Theil genommen. Seine „Sämmtlichen Schriften"gaben L. Tieck und Fr. Schlegel heraus (2 Bde., 1892; 5. Aust., Berl. l838).
Harderwijk, Stadt an der Zuydersee in der nicderländ. Provinz Geldern, ist inalter Weise befestigt und hat einen sehr geräumigen Hasen, in welchem die nach Ostindienbestimmten Fahrzeuge ausgerüstet werden, und 5400 E-, welche starken Getreide- undHolzhandel, bedeutende Fischerei treiben und mit Bücklingbereitung sich beschäftigen. Diehier 1648 gegründete Universität, die aber zu keiner Zeit gedeihen wollte, wurde 1811aufgehoben; an ihre Stelle trat >815 ein Athenäum, das aber später auch wieder ein-ging. H. gehörte zur Hansa und litt mehrmals durch Brand, so 1503, wo es fast ganzabbrannte; 1672, wo es vom Bischof von Münster, Berich, von Galen, erobert wurde,und dann wieder, als cs die Franzosen, die es beseht hatten, bei ihrem Abzüge in Brandsteckten. Nach dem Tode König Wilhelm's III. von Großbritannien im 1.1702 wurde esan Preußen vererbt.
Harding (Karl Ludw.), Astronom, geb. am 29. Sept. 1765 zu Lauenburg, wosein Vater Prediger war, bezog 1786 die Universität zu Göttingen in der Absicht, Theo-logie zu studiren, wurde aber durch die Vorlesungen des Hofraths Lichtenberg, an denener großen Geschmack fand, bewogen, sich ganz den Naturwissenschaften zu widmen, undbeschäftigte sich hierauf hauptsächlich mit Astronomie. In den 1.1796—1805 lebte erbei dem Justizrath Schröter in Lilienthal bei Bremen, an dessen astronomischen Beobach-tungen er Theil nahm, und entwarf hier zur leichtern Auffindung der durch Olbcrs undPiazzi entdeckten neuen Planeten Himmelskarten, die er aber erst nach mehr als zwan-zigjähriger Arbeit vollendete („^tlss novus coelestis", 27 Blätter, Gött. 1822). Erselbst hatte die Zahl dieser neuen Planeten durch den von ihm am l.Sept. 180-1 imSternbilde der Fische aufgesundenen Planeten Juno vermehrt, wofür er die von demfranz. Astronomen Lalande ausgesetzte Preismedaille erhielt. Im I. 1805 wurde erin Göttingen als außerordentlicher, 1812 als ordentlicher Professor der Astronomie an-gestellt, nachher auch zum Hofrath ernannt, und blieb in dieser Stellung bis an seinen Tod,welcher am 15. Juli 1834 erfolgte. Außer vielen einzelnen Aufsätzen, die in den „Göttin-ger gelehrten Anzeigen", Zach's „Monatlicher Correspondcnz" und in Dode's „Astrono-mischem Jahrbuche" enthalten sind, gab er seit 1830 in Verbindung mit seinem Freunde,dem Amtmann Wiesen zu Rehburg, zum Gebrauche für Freunde der Astronomie „Kleineastronomische Ephemeriden" heraus.
Hardouin (Jean), einer der gelehrtesten Männer seiner Zeit, aber in seltsam küh-nen Paradoxien sich gefallend, geb. zu Omimper in der Bretagne 1646, war der Sohn einesBuchhändlers und verdankte diesem Umstande, sowie seiner spätern Stellung als Biblio-thekar am College Louis le Grand, seine umfassende Belesenheit. Seit seinem 20. Jahrein den Jesuitenorden ausgenommen, widmete er nächst der Theologie besonders den klas-sischen Sprachen, der Geschichte und Münzkunde sein ganzes Leben. Zu der Sammlungrüm. Classiker in usum velpkini lieferte er die Ausgabe der Naturgeschichte des Plinius(5 Bde., Par. 1685, 4.), durch die er sich in ganz Europa einen berühmten Nansenmachte, die aber freilich bei dem gegenwärtigen Stande der Philologie fast ohne allenWerth ist, indeß doch immer noch höher steht als seine zweite verbesserte Ausgabe diesesSchriftstellers (3 Bde., Par. 1723, Fol.). Das merkwürdigste Paradoxon, das er mitgroßem Scharfsinn in seiner „tütironalogia exnummi» anti^uis rsstituta" (1677) undin seinen „krolegomena all censnrsin veterum scriptorum" aufstellte, war die Behaup-tung, daß nicht nur die meisten der für alt gehaltenen Münzen neuern Ursprungs, sondernauch die Schriften sämmtlicher alten Kirchen- und Profanscribenten, mit Ausnahme derWerke des Cicero, der Naturgeschichte des Plinius, der Georgica Virgil's und der Satirenund Episteln des Horaz, von Mönchen des l 3. Jahrh. verfaßt und untergeschoben seien.Nach seiner Ansicht war die „Äncide" des Virgil das Machwerk eines Benedictiners jenerZeit, der allegorisch die Reise des heil. Petrus nach Rom beschreiben wollte; die ein-geflochten« Erzählung von dem trojan. Brande bezog er auf die Zerstörung Jerusalems