Hardenberg (Karl Aug., Fürst von) 661
Helm II. H. zu dieser Stelle. Nach der Bereinigung dieser Länder mit Preußen im1.1791wurde er nicht mir in der bisherigen Würde bestätigt, sondern auch zum preuß. Staats«und dirigirenden Minister ernannt und in dar Cabinetsministcrium ausgenommen, mitBeibehaltung der Verwaltung dieser Provinz, um die er sich große Verdienste erwarb. Alsder Krieg gegen Frankreich begonnen hatte, berief der König H. als Armceminister in seinHauptquartier nach Frankfurt am Main, in welcher Eigenschaft er das Jahr hindurch amRhein blieb. Im Anfang des I. 1795 wurde er nach Basel gesendet, wo er nach demTode des Grafen von Golz die Friedensunterhandlungen betrieb und am 5. Apr. den Frie-den zwischen Preußen und der franz. Republik abschloß. Nach der Rückkehr nach Ansbachund Baireuth vollendete er die Organisation dieser Fürstenlhümer. Nach dem Regierungs-antritte Friedrich Wilhelm's III. im I. 1797 wurde H. bei der damaligen Veränderungdes Staatsorganismus nach Berlin verseht und erhielt im Cabinetsministerium die Lei-tung aller fränk., auswärtigen, Hoheits- und öffentlichen Angelegenheiten, sowie die Lehns-sachen. Außerdem wurde er nach dem Tode des Ministers von Werder im I. 1800 Chefdes magdeburg-halberstädt. und nach dem Ableben des Ministers von Heynitz im I. 1802Chef des westfäl. Departements und des von Neufchatel, sowie zugleich Curator derKunst- und Bauakademie. Als der Minister von Haugwitz, der für Frankreich gestimmtwar, sein politisches System dadurch, daß die Franzosen Hannover besetzten, erschüttert sahund deshalb abdankte, trat im Aug. 1804 H. an dessen Stelle. Obgleich unter seinem Ein-flüsse das preuß. Cabinet sich nunmehr an England anschloß, so suchte er trotzdem dieürengste Neutralität fcstzuhalten; erst als die franz. Truppen das ansbach- Gebiet verletz-ten, änderte er sein System. In einer Note vom l 4. Oct. 1805 an den Marschall Durvcerklärte er sich über jenen Eingriff in das Völkerrecht ebenso bündig als kräftig. Daraufwurde am 3. Nov. 1805 die Convention von Potsdam zwischen Rußland und Preußengeschlossen, und man traf Rüstungen zum Kriege, dessen Ausbruch jedoch durch den SiegNapoleon's bei Austerlitz verhindert wurde. Preußen sah sich genöthigt, am 15.Dec. 1805durch Haugwitz in Wien eine Convention mit Napoleon einzugehen, mittels welcher es fürmehre abgetretene Landestheile den Besitz von Hannover und die Anerkennung der Neu-tralität Norddeutschlands erhielt. Eine Folge dieser Übereinkunft war, daß H. seine Stellewieder an Haugwitz überließ und, entfernt vom Cabinet, als Chef des magdeburg-halber-städt. Departements zu wirken fortfuhr. Allein unerwartete Ereignisse führten Preußen1806 dennoch zum Kriege; H. wurde zu den Verhandlungen gezogen, die vor dem Aus-bruche desselben zu Charlottenburg stattfandcn. Nach der Schlacht bei Jena begab er sichzum Könige und übernahm, da der General von Zastrow, der an Haugwitz's Stelle denauswärtigen Angelegenheiten Vorstand, l 807 seine Entlassung begehrte, auf den Wunschdes Kaisers Alexander das Portefeuille. Nach dem Frieden von Tilsit nahm er seine Ent-lassung, blieb eine Zeit lang an den Grenzen von Rußland und kehrte dann nach seinemGute Tempelhof bei Berlin zurück, von wo ihn der König nach Stein's Rücktritt am 6.Juni 1810 zur Würde eines Staatskanzlers berief. Hier begann sein weltgeschichtlichesWirken, welches ihm bei der Nachwelt einen bleibenden Ruhm sichert. In seiner äußernPolitik schloß er von jetzt an nothgedrungen sich möglichst eng an Frankreichs System an;allein er ergriff die entgegengesetzte Partei, als nach dem Rückzuge des franz. Heers ausRußland in den ersten Tagen des I. 1813 ein günstiger Zeitpunkt dazu gekommen zu seinschien. Er war während des ganzen Freiheitskriegs ausgezeichnet thätig, Unterzeichnete denpariser Frieden und wurde hierauf von seinem Könige zu Paris am 3. Juni 1814 in denFürstenstand erhoben und ihm die aus der ehemaligen Commenthurei Lietzen und demAmte Quilitz gestiftete Standesherrschast Neuhardenberg verliehen. Er begleitete die ver-bündeten Monarchen nach London, nahm an dem Congreß in Wien wesentlichen Antheil undwirkte mit zu den Verträgen in Paris im1.18 l 5. Im 1.18 l 7 organisirte er den Staats-rath und wurde zum Präsidenten desselben ernannt, erhielt dann eine Sendung in dasGroßherzogthum Niederrhein, nahm an den Kongressen zu Aachen, Karlsbad und WienAntheil und organisirte hierauf das neue preuß. Abgabcsystem'und Staatsarchivweftn.In den letzten Jahren wohnte er, nebst dem Staatsminister Grafen Bernstorff, den Con-gressen zu Troppau, Laibach und Verona bei. Von Verona aus machte er eine Reise