Druckschrift 
6 (1845) Gebler bis Heilsordnung
Entstehung
Seite
619
Einzelbild herunterladen
 

619

Händel

fürsten zuzog, für welchen dieser Friede nicht vorthcilhaft gewesen war, so wagte er es nicht,wieder nach Hannover zurückzukehren, blieb in England und erhielt von der Königin Anna- «nen Jahrgehalt von 200 Pf. St. Als nach dem Tode derselben >7 >4 der Kurfürst vonHannover als Georg I. den brit. Thron bestieg, verzieh er H., auf Vermittelung seinesGönners, des Barons von KielmannSegg, erhöhte dessen Jahrgehalt aus 000 Pf. St. undertheilte ihm den Auftrag, die Prinzessinnen in der Musik zu unterrichten. Fortan lebtenun H. in der Gesellschaft der vornehmsten und geistreichsten Männer Englands. In demHause des Grafen Burlington componirte er die Opern „Amadis" (>7I5), „ThescuS"' und „II psstor luln". Darauf übernahm er die Direction der Kapelle deS Herzogs vonChandoS, für welche er mehre Anthems eomponirte. Als nachher die unter dem Namen„Königliche Akademie der Musik" bekannte Unternehmung auf dem Haymarket-Theatererrichtet wurde, um stets eine Auswahl vorzüglicher Opern möglichst vollkommen darzu-stellen, trat H. an die Spitze dieser Anstalt, reiste, um Sänger anzuwerben, auf das Fest-land und führte dann >720 seine Oper „Radamisio" auf, die einen unglaublichen Beifallerhielt. Dieser glänzende Erfolg reizte seine Nebenbuhler, an deren Spitze Buonon-cini (s. d.) mit seinem Anhänge stand. Man kam überein, Beide sollten sich in die Kom-position einer und derselben Oper theilen ; wer den Sieg davon trüge, solle im Besitz desHauses bleiben. Diese Oper war „Mucius Scävola". H. setzte die Ouvertüre und denletzten Act und gewann den Preis. Die Akademie wurde nun auf einen festen Fuß gesetztund H. zeigte neun Jahre hindurch, was ein großes Talent mit Beharrlichkeit auszufüh-ren vermag. Leider entzweite er sich nach diesem Zeiträume mit seinem ersten Sänger Ve-nesino, dem Liebling des PublicumS. H., zu stolz, um nachzugeben, entließ ihn und ver-scherzte dadurch die Gunst des Hofs und der Musikfreunde. Er verband sich mit Heideg-ger, reiste nach Italien, um neue Sänger zu holen, mußte aber nach drei Jahren das Hay-market-Theater den Italienern überlassen, unter denen Porpora <s. d.) als Componiftund Farinelli (s. d.) als Sänger bewundert wurden. Hierauf übernahm er das Thea-ter zu Lincolns-Jnnfields und verband sich dann mit Rich für das Theater zu Coventgar-den, wo er 1733 seine Oper „Ariadne" zu derselben Zeit, als Porpora's „Ariadne" aufHaymarket gegeben wurde, zur Aufführung brachte. Obschon Porpora ihn als Künstlerund Komponist nicht erreichte, so siegte doch Farinelli's bewunderte Stimme. Umsonstsuchte H. die öffentliche Gunst wiederzugewinnen; er kam in Schulden, in Elend und inRoth. Körperlich und geistig zerrüttet fand er in den aachener Bädern Wiederherstellung.Als er >730, nach London zurückgekehrt, sein „Alexandersfest" mit großem Beifalle aufdem Coventgarden-Theater aufgeführt hatte, wurde er vom Lord Middlesex, der die Di-rection der gesunkenen ital. Oper übernahm, als Komponist angestellt und componirte so-dann die beiden Opern „Faramond" und „Alexander Belus". Um sich ein unabhängigesLeben zu sichern, kam er auf den Gedanken, die Oratorien weiter auszubilden, die nicht alsOpern, sondern als Conccrte gegeben wurden. Dieser letztere Umstand bewirkte indeß, daßselbst sein im höchsten und vollendetsten Kirchenstil geschriebener „Messias", den Herdereine christliche Epopöe in Tönen nannte, als er >741 zuerst zur Aufführung kam, kalt auf-genommen wurde. Größern Beifall fand er damit in Dublin, und erst als H. aus Schott-land nach London zurückgekehrt, wurde der „Messias" auch hier das Lieblingsstück desPublicumS. Unter seinen übrigen großen Oratorien sind „Samson", „Judas Makka-bäuS", „Josua" und „Jephtha" zu erwähnen. Seine Opern hat die Zeit in Vergessenheitgebracht. Überlegen seinen Gegnern durch höhere Kraft des Genius stand er doch imGanzen nicht über seiner Zeit. In seinen Opern offenbart sich keine höhere Idee als dieherrschende. Sir waren, wie die jener Zeit überhaupt, eine Reihe von Arien, Rccitativenund weniger Duetten und Choren ohne innere Nothwendigkeit der Folge, ohne Wahrheitder Zeichnung in Handlung und Charakteren, deren Schwerpunkt nur der Vortrag desSängers bildete. Dennoch hatte H. über 25 Jahre dem Theater seine Thätigkeit gewid-met und erst im später» Lebensalter wendete er sich jener Gattung entschieden zu, worin ergroß wurde für alle Zeiten,denn Oratorium. Was er auf diesem Felde geschaffen, konntewol eine Zeit lang durch einen verweichlichten Zeitgeschmack verdrängt werden, doch nicht«ntrrgehen. In Deutschland hat namentlich Hiller (s. d.) das Verdienst, H. wieder ins