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Handel 617
dcrlage i» Flandern und holten hier Wolle und wollene Zeuge. Die Venetianer und Flo -rentiner versahen Deutschland, Flandern und England mit Gewürzen, süßen Weinen, kur-zen Waaren, Spielsachen, Arzneien, Zucker u. s. w. und holten dagegen Wolle, Tuche undZinn. England schickte seine Fabrikate und Wolle nach Flandern und nahm dafür Ge-würze, seidene und kurze Waaren u. s. w. Brabant, Holland und Seeland brachten vonihren Erzeugnissen nur Röthe, Waid, Knoblauch, Zwiebeln und gesalzene Fische an/ denMarkt. Irland führte Häute, Fische, Wolle, Leinwand und Wildhäute aus.
Das 16. Jahrh. war reich an wichtigen Handelscreignisscn. Portugal setzte seinenHandel in Ostindien, wo es schnelle Eroberungen machte, fort und erwarb Brasilien; Spa-iiien bemächtigte sich der Inseln und nebst Portugal des besten Theils des festen Landes vonAmerika; England und Frankreich machten einige vergebliche Versuche, sich in Nordame-rika anzusiedeln. Antwerpen wurde nun der große Mittelpunkt des Handels von Europa.Am meisten litten darunter die Hansestädte, besonders die an der Ostsee gelegenen; dochbatten sie immer noch einen beträchtlichen Handel. England schuf sich eine Flotte, legteeine große Fischerei an der Küste von Neufundland an, betrieb den Wallfischsang bei Spitz-bergen und Grönland, begann mit Rußland, der Türkei und nach Guinea zu handeln underrichtete I5!>!> eine Ostindische Gesellschaft. Holland sing zu gleicher Zeit an, nachOstindicnzu handeln, und errichtete ebenfalls eine große Handelsgesellschaft. Frankreich versuchte sichin der Seidcnfabrikation. Spanien vertrieb die Protestanten aus den Niederlanden, welchein England, den Hansestädten und in Holland, einer neuen und plötzlich mächtigen See-und Handelsmacht, sich niederließen. Das osman. Reich breitete sich im Osten Europasaus und bemächtigte sich vieler Gebiete Venedigs, dessen Handel sich nach und nach nachLissabon zog, wo derselbe fast ein ganzes Jahrhundert ungemein blühte. In Italien wur-den engl, und niederländ.Tuche, Leinwand, Tapeten, Edelsteine, Perlen, Cochenille, Kram-waaren, Zucker, Pfeffer, engl, und span. Wolle cingeführt, und die aus der Levanic gehol-ten Specereien und Apothekcrwaaren, sowie Seide, Baumwolle, Teppiche, Leder, seideneWaaren, Gold - und Silberstoffe, Flor, Kamelote, Baumwollenwaaren, Safran undWein ausgeführt. Deutschland holte Edelsteine, Perlen, Specereien, Apothekcrwaaren,Safran, Zucker, engl. Tuche, niederländ. Zeuge, Tapeten und Kramwaaren und gab dafürSilber, Quecksilber, Kupfer und andere Metalle, feine Wolle, GlaS, Barchent, Waid, Sal-peter, Kramwaaren, Waffen und Rheinwein. Dänemark, Norwegen, Schweden, Esth-und Liefland und Polen empfingen gleiche Gegenstände und gaben dafür Getreide, Eisen,Kupfer, Flachs, Honig, Pottasche, Pelzwerk, Leder und Holz. Nach Frankreich wurdenEdelsteine, Quecksilber, Silber, Kupfer, Blei, Zinn, Farben, Salpeter, engl, und nieder-länd.Hcuge, Leinwand, Tapeten, Leder, Pelzwerk u.s.w. gesendet und Salz, Waid, Wein,Cannevas, starke Leinwand, Pflaumen, Vergoldungen und kurze Waaren geholt. Eng-land führte Zeuge, Franzen, Wolle, Zinn, Blei, Felle, Leder und Bier aus und Silber,Quecksilber, seidene Waaren, Gold - und Silberstoffe, Gewürze, Leinwand, Tapeten, Glas,kurze Waaren, Waffen u. s. w. ein. Spanien und Portugal brauchten Messing, Blech,Zeuge, Tapeten, Leinwand, Kamelote, Garn, Wachs, Getreide, Salzfische, kurzcWaaren,Waffen u. s. w. und gaben dafür Edelsteine, Gold, Silber, Cochenille, Safran, Seide undSeidcnwaaren, Salz, Wein, Öl und Früchte. Der Mittelpunkt dieses ganzen Handels warAntwerpen, bis es durch die Plünderungen in den J. 151« und >585 von seiner Höhe herabge-stürzt wurde. Der Handel zog sich hieraufgroßentheils nach Amsterdam, und die Fabrikationnach verschiedenen Gegenden. Der Verkehr mit Archangel war bereits sehr belebt.
Das II. Jahrh. zeigte wie vom politischen so vom Gesichtspunkte des Handels viel Ahn-lichkeit mit den neuern Zeiten. Handel, Schiffahrt und Colvnien hoben sich zum Erstaunen.Die Hansestädte mußten ihren Handel immer mehr an England und Holland abtreten. Be-sonders die Engländer und die Holländer bildeten den Handel mit Ostindien aus. Die Elsternerließen 166« die bekannte Schiffahrtsactc, und der Verkehr und der Neichthum der Letzten,wuchsen unendlich. In Frankreich hoben sich Handel, Manufacturen und Schiffahrt und wür-den, wenn nicht die Vertreibung der Protestanten erfolgt wäre, noch höher sich gehoben haben.Nur Deutschland blieb in Folge des Dreißigjährigen Kriegs nicht allein zurück, sondernverlor sogar aus Erschöpfung einen großen Lheil seines früher« Handels. Italiens Ver-