Handel 6l3
-Handel wird die Beschäftigung genannt, mittels welcher die Erzeugnisse der ver-schiedenen Wcltgegcnden und die Arbeiten der Menschen gegeneinander ausgetauscht undtheils Gegenstände hcrbeigcschafft werden, welche entweder gar nicht oder nicht in solcherVollkommenheit zu Huben sind, oder auf deren Verfertigung mehr Kräfte gewendet werdenmüßten, als tic Hcrbcischaffung crfodcrt; thcils aber auch die Vermittelung zwischen denHervor"« ringenden oder den Verfertigern und den Verbrauchenden. Diese Beschäftigungsetzt eine Menge Kräfte in Bewegung, verschafft neue Kenntnisse und erweitert den Ge-sichtskreis, daher, wenn mich der ursprüngliche Anlaß zum Handel nur das Interesse war,er dennoch das wirksamste Mittel zur Verbreitung höherer Cultur ist. Der Vortheil, wel-chen dertHandcl den Ländern bringt, indem er ihre Erzeugnisse verwerthet und nach jederRichtung Leben und nützliche Thätigkeit um sich her verbreitet, ist daher bciweitem nichtdas Höchste, was die Menschheit dem Handel verdankt. Nicht die Vermehrung des Neich-thums, sondern die Vermehrung der geistigen und moralischen Güter ist es, wodurch derHandel sich so unendlich wichtig und heilsam für die Entwickelung der Menschheit bewie-sen hat. Da also materielles und geistiges Wohl durch ihn geschaffen wird, so ist es Pflichteiner jeden Regierung, ihn möglichst zu entwickeln und auszubreiten, und die Grundsätzeeiner gesunden Handelspolitik sich anzucignen, die der veralteten Cabinetspolitik aber ganzzu verlassen. Großbritannien hat seine gegenwärtige Größe und Macht allein dadurch er-reicht, daß seine Negierung bei allen ihren Maßnahmen nur das Wohl ihres Handels vorAugen hatte, wohl wissend, daß das geistige Wohl ihrer Untcrthancn dennoch nicht unent-wickelt bleiben werde.
Der Handel kann allerdings nicht von jedem Individuum betrieben werden, denn ercrfodcrt zu viel Kenntnisse und Aufmerksamkeit, als daß z. B. der Landwirth sich damitbefassen könnte, und hier nicht gleichfalls Thcilung der Arbeit »öthig wäre. Auch unterden Handeltreibenden selbst ist eine Trennung unerläßlich, indem der nach fremden Län-dern Handelnde seine Aufmerksamkeit zu sehr dahin zu richten hat, um zu Hause die klei-nen Bedürfnisse des einzelnen Verbrauchers befriedigen zu können. ES gibt daher Groß -und Kleinhändler, von denen die erster» die Erzeugnisse in deren Heimat, oder wo sicam wohlfeilsten sind, einkaufen und sie dahin bringen, wo sie am theuersten oder am ge-suchtesten sind. Die Lctztcrn kaufen die Waaren von den Großhändlern oder den Erzeu-gern und verkaufen sie an die Verbraucher in jeder beliebigen Menge. Der Handel selbstthcilt sich in den eigenen, den Commissions- und den Speditionshandel. Dercrstere kauft die Waaren mit seinem eigenen Geldc, der zweite handelt mit Waaren, dieihm für fremde Rechnung zum Verkauf gesendet werden, und der dritte befördert die ihmaus einer Gegend wegen Mangel an directcr Beförderungsgelegenheit zugesendeken Waa-ren nach den aufgegebenen Orten. Letzterer ist, wenn er auch nicht so viel Hände am Um-ladungSortebeschäftigt undden Geldverkehrso befördert, wiederunmittelbareVerkauf, dochdurch den Verkehr auf den Landstraßen u. s. w. und die dadurch herbeigeführte Verwer-thung vieler Erzeugnisse und Beschäftigung mehrer Gewerbe jedem Lande von großemWerth, daher Alles gethan werden sollte, um ihn hcrbeizuzichen, allein leider wird diesdurch die Durchgangszölle, welche in der gegenwärtigen Zeit gar nicht mehr zu entschuldi-gen sind, nur zu oft verhindert. Der eigene und der Commissionshandel zerfallen wieder inden inländischen und den ausländischen. Der erstere wird je größer sein, je mehr Umfangund je mehr Industrie das Land hat, in welchem er getrieben wird, und ist verhältnißmä-ßig stets viel bedeutender als der mit dem Auslande. Sv wird z. B. in Großbritannienvon den daselbst verfertigten wollenen Waaren nur ein Viertel ausgeführt und das Übrigeim Lande verbraucht. Ein Gleiches findet hinsichtlich des Handels im Zollverein statt. Hatdaher der Handel mit dem Auslande einen geringern Umfang als jener, so ist er den-noch von hoher Wichtigkeit, weil durch seine Vermittelung inländische Erzeugnisse erstihren Werth erhalten und folglich der Nationalreichthum durch dafür aus dem Auslandebezogen« Bedürfnisse vermehrt wird, welche außerdem entbehrt werden müßte». Zwi-schenhandel wird derjenige Theil de- eigenen Großhandels genannt, welcher nicht selbstverfertigte Waaren verkauft. Im inländischen Verkehr kommt er selten vor, dagegen ist ersehr häufig der Vermittler zwischen dem In - und Anslande, vielfältig auch zwischen dem