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6 (1845) Gebler bis Heilsordnung
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614 Handel

südlichen und dem nördlichen Ausland«. Ein Unterschied zwischen Waaren» und Teld-und Wechsels» andel ist eigentlich gar nicht vorhanden, weil Geld auch Waare und einWechsel Geld zu einer gewissen Zeit ist. Unter activem Handel versteht man einen solchen,der eine Nation in den Stand setzt, den größten Theil ihrer Productr und Fabrikate inihren eigenen Schiffen auSzuführrn und so auch die Erzeugnisse des Auslandes meist inihren eigenen Schiffen einzuführen. In Europa ist kein Volk so gänzlich im Besitz einessolchen activen Handels, daß es nicht etwa- von den fremden Waaren mittels der Schiffeanderer Völker erhielte, oder daß e- nicht fremden Schiffen verstatten sollte, etwas von sei-nen eigenen Waaren auszuführen. Auf der andern Seite ist aber auch kein an der See gele-genes Land sopassiv, daß rS nichtzum Theil durch seine eigenen Schiffe vrrsorgtwerdensollte.

Die Geschichte de- Handels zeigt augenfällig, welchen unendlichen Einfluß er aufdie Cultur des Menschengeschlecht- hat. TyruS war schon vor alten Zeiten wegen derSchiffahrt berühmt. DieAgyptier und Phönizier haben sich aller Wahrscheinlichkeit nachzuerst auf die Schiffahrt gelegt und ihnen zunächst die Einwohner der Seeküsten und Inselnvon Syrien, Kleinasien und Griechenland. Die Phönizier besuchten 904 v. Chr. Britan-nien wegen des Zinns; ein Gleiches thaten nachher die Karthager. Die Phönizier erbau-ten mehre Seestädte in Spanien, worauf die Phrygirr eine Zeit lang die See beherrschten,bis sie von den Aginäern verdrängt wurden. Hierauf herrschten die Korinther zur See, und787 v. Chr. erlangten die Ägvptier die Herrschaft in den benachbarten Meeren. Ihnenfolgten die Milesier, Karier und LeSbier wechselsweise. Phönizier sollen 600 v. Chr. ausdem Rothen Meer um Afrika und so durch da» Mittelländische nach Ägypten gesegeltsein; phocische Griechen au« Jonien sollen Mafsilia (Marseille) erbaut und die südlichenGallier im Ackerbau, Weinbau und Handel unterrichtet haben. Im 1.332 v. Chr. wurdeTyruS von Alexander dem Großen zwar zerstört; doch unter den Seleuciden gelangte eswieder zu seinem frühem Handel, der sich nach Arabien, Persien, Ostindien, Afrika undEuropa erstreckte. Die Römer hatten, keine Neigung zum Handel. Unter PtolemäuS Phi-ladelphu-, 260 v. Chr., hatten die Ägypter einen auSgrbreiteten Handel, und durch ihnsoll der schiffbare Kanal vom Nil zum Rothen Meer gebaut worden sein. Durch den drittenpun. Krieg, 146 v. Chr., wurden Karthagos Macht und Handel gänzlich zerstört und erstunterAugustuS, 30v.Chr., der ostind. Handel wiederhergestrllt. Tuchfabriken befanden sichbereits 21 n.Chr. auf Malta und in Lusitanicn. London soll 52 n. Chr. erbaut worden seinund war zeitig ein Handelsort. Unter Äurelian, 270 n. Chr., soll zuerst Seide au« Indiennach Rom gebracht worden sein, was nach andern Nachrichten bereit- 17 n. Chr. geschah.Im 1.276 soll man in Deutschland, Ungarn und dem nördlichen Gallien die ersten Wein-stocke gepflanzt haben. Durch die nun folgenden Verheerungen wurden die reichsten undschönsten Länder arm, entvölkert und ohne Handel. Nach dem Sturze de- RömerreichSverloren auch die Briten ihre frühere Blüte. Venedig, da- zu Ende de- 5. Jahrh. gegrün-det wurde, Genua, Florenz und Pisa legten den Grund zur Wiederherstellung de- Han-dels mit allen Küsten des Mittelländischen Meers. Um diese Zeit wurde auch Erfurt er-baut. Antwerpen und die Dänen werden zuerst im 1.517 erwähnt. Mönche führten 555die Sridenzucht und bald auch die Seidenfabrikation in Griechenland ein. Im I. 604wird London als einer Handelsstadt erwähnt, wohin Kaufleute vieler Nationen kamen.Im 7. Jahrh. litt in den Abendlanben der Handel sehr durch die LrhnSverfassung. Dieersten Glasmacher kamen 674 aus Frankreich nach England. Durch die Herrschaft derSarazenen in Ägypten war der Handel nach Indien auf dem Nil und von da auf demRothen Meer gänzlich unterbrochen worden, an seine Stelle trat der Karavanenhandelüber Tripoli in Syrien, Aleppo und Bagdad auf dem Tigris nach dem Persischen Meer-busen. Im 8. Jahrh. wuchs Venedig immer mehr. Die Mauren eroberten Spanien; dieFranzosen überwanden die Friesen zur See, und London« Handel wurde immer blühender.Karl der Große schloß 790 einen Handelsvertrag mit dem König von Mercia; Hamburgwurde eine Stadt, und die Ausbreitung de- Christenthum- in Deutschland beförderte dessenHandel. Auch stellte Karl der Große die zerstörten Städte in Italien und den Handel inde« nördlichen und südlichen Theilen Europa- wieder her. Da« ». Jahrh. war voller Ver-Wirrung. Der Handel und dir Industrie in Europa waren zumeist auf die ital. Städte und