Druckschrift 
6 (1845) Gebler bis Heilsordnung
Entstehung
Seite
610
Einzelbild herunterladen
 

610 Hanau

früherer Erbverträge, Hanau-Münzenbcrg an Hessen-Kassel, Hanau-Lichtenberg an Hessen- ^

Darmstadt, und zwar letzteres als franz. Lehen. Unter der Regierung de- LandgrafenWilhelm's IX. wurde die Grafschaft l 785 mit Hessen-Kassel völlig vereinigt, 1803 aberdurch Reichsbeschluß zum Fürstenthum erhoben. Mit dem Kurfürstenthum Hessen nah-men im 1.1606 die Franzosen auch H. in Besitz, worauf eS > 869 zum GroßherzogthumFrankfurt geschlagen wurde, bis es > 8l3 wieder an Hessen-Kassel kam. Seitdem bildet esnebst dem vormaligen fuldaischen Amte Salmünster und dem kurheff. Amte Isenburg dieProvinz-Hanau. Die gleichnamige Hauptstadt, mit 15860 E., liegt in einer san-digen Gegend, die aber durch fleißigen Anbau eine Menge Gemüse und Obst zur Ausfuhrhervorbringt. An der Nord - und Westseite der Stadt fließt die Kinzig, welche in der Nähe jsich in den Main ergießt, aus welchem ein tiefer Kanal bis zur Stadt geführt ist. Sie be-steht aus der nach alter Art gebauten Altstadt und der Neustadt, welche schnurgerade,breite und sehr reinliche Straßen hat, und hat durch das Schleifen der Festungswerke vielan Freundlichkeit gewonnen. An dem ein längliches Viereck bildenden regelmäßigen Markt-platz liegt das Rathhaus und am Ende der Stadt, gegen Nordosten, das kurfürstlicheSchloß. Sie hat drei protestantische Kirchen, ein Gymnasium, welches auch die Wetter-auer Bibliothek bewahrt, eine Münze, ein Zeughaus und ein Schauspielhaus. In ge-werblicher Hinsicht steht H. allen andern kurhess. Städten voran. Am bedeutendsten >sind seine Seiden-, Kamelote-, Leder-, Handschuh-, Strumpf- und Bijouteriefabriken, 'in welchem letztem Artikel es mit Pforzheim, ja sogar mit Genf rivalisirt. Nächst die- >sen Fabrikaten unterhalten die Einwohner einen beträchtlichen Handel mit Dielen, ge- 'schnittenen Hölzern aller Art, hölzernen Maaren und mit Wein. In der Nähe der Stadt -liegen das kurfürstliche Schloß Philippsruh, der gegenwärtige Aufenthaltsort des abge- jdankten Kurfürsten von Hessen, der Badeort Wilhelmsbad, wohin eine mit Bäumen be- -setzte Kunststraße führt, und Rumpenheim. Zn der Kriegsgeschichte ist H. berühmt durch idie Belagerung, die «S im Dreißigjährigen Kriege >635 und l636 von den KaiserlichenauShirlt, bis es am l3. Juni > 636 durch den schweb. General Lamboy entsetzt wurde, demzu Ehren noch alljährlich an jenem Tage das sogenannte Lamboyfcst gefeiert wird-

In der neuem Zeit aber wurde eS am denkwürdigsten durch die S ch l a ch t am 3V. jOct. 1813, die letzte, welche Napoleon in Deutschland schlug. Da Baiern bereits durch "den Vertrag zu Ried vom 8. Oct. 1813 mit Ostreich gegen Napoleon verbunden war, sozog der nachmalige Feldmarschall und Fürst Wrede am l 6. Oct. an der Spitze eines baier.-östr. Heers nach Würzburg, um Napoleon, der nach der Scklacht bei Leipzig mit 86660 M.Mainz und dem Rhein zueilte, den Weg zu verlegen. Allein Würzburg, welches derfranz.General Turreau mit 12666 M. besetzt hielt, hemmte Wrcde'S Vorrücken. Um nicht §noch mehr Zeit zu verlieren, nahm er nach einem Bombardement am 26. Oct. die Über-gabe der Stadt ohne die Citadelle Marienberg an und zog hierauf über Aschaffrnburg, woder König von Würtemberg zwei Jnfanterieregimenter, ein Cavalerieregiment und einigeArtillerie zu ihm stoßen ließ, gen H. Da dieser Paß die Straße von Frankfurt beherrscht,so hatte auch Napoleon ihn zu erreichen gesucht; daher trafen die Franzosen und die Wrede'- >schen CorpS zu gleicher Zeit dort ein. Am28.Oct., wo dieVerbündeten H. besetzten, wurde jum dm Besitz derKinzigbrücke, nördlich vor den Thoren der Stadt, gekämpft. Wrede hatte ihier eine feste Stellung genommen und, durch ruff. Truppen unter Platow, Orlow-De- -nissow und Czernizew verstärkt, die Ausgänge der beiden Straßen im Walde, welcher sichum die Stadt herzicht, besetzt; dagegen war der wertheimer Engpaß zwischen Schlüchternund Gelnhausen, wo im tiefen schroffen Thale die Kinzig strömt, unbesetzt geblieben, unddieser Umstand rettete Napoleon. Als am 29. Oct. 4666 Franzosen aus dem Walde her-vorbrachen, wurde eine vorgerückte bair. Truppenabtheilung, welche die Straßen sperrensollte, von der Übermacht nach dem Dorfe Rückingen zurückgedrängt. Hier ließ Napoleonsie am 36. Oct. früh angreifen. Wrede hatte nur 36660 M.; Napoleon 48660 M. In-fanterie und 12060 M. Cavalerie; doch bot die Stellung der Verbündeten große Vortheile ^dar, und hatte blo« das Nachtheilige, daß ihr rechter Flügel mit dem Mitteltreffen durcheine hölzerne Brücke über die Kinzig nur schwach verbunden war. Von l 6 Uhr Morgensbis 3 Uhr Nachmittags griffen die franz. Colonnen wiederholt ohne Resultate Wrcde'S