Druckschrift 
6 (1845) Gebler bis Heilsordnung
Entstehung
Seite
609
Einzelbild herunterladen
 

Hamptoneourt Hanau 609

verurtheilt, das Volk aber dadurch zum Widerstand gegen den MiSbrauch der königlichenl Gewalt veranlaßt. Durch Cabinetsbefehl verhindert, mit seinem Vetter Oliver Cromwell

> u. A. nach Amerika auszuwandern, trat er im Parlament von 16-10 an die Spitze der

! Opposition und gehörte dann zu den fünf Mitgliedern deS Unterhauses, die Karl I. 1642

: als des H^chverraths schuldig vor dem Oberhause in Anklagestand setzen ließ. Als der

! Kampf zwischen dein Parlament und dem Könige ausbrach, errichtete H. in der Grafschaft

i Buckingham ein Regiment und führte es ins Feld. Bei Chalgrovefield unweit Thame

stieß er am l 2 . Juni 1642 ans die Reiterei des Pfalzgrafen Ruprecht, wurde verwundet! und starb am 24. Juni 1643. Vgl. Nugent,8»ine memori-ils okäobnLl., bis unck

bis times" (2 Bde., Lond. > 83 l) und D'Jsraeli,Lliot, 8. snck krxm etc." (Land. 1832).

Hamptoneourt, ein Dorf in der engl. Grafschaft Middlesex an der Themse, mit, 3660 E-, ist berühmt durch das vom Cardinal Wolsey unter Heinrich VIII. erbaute, später

seinem königlichen Herrn geschenkte Schloß Hampton-Court-Palace, 2'/, M. von London.Elisabeth legte hier den ersten botanischen Garten in England an und I. Parkinson wardessen erster Vorsteher. Wilhelm III., der sich in H. sehr gefiel, ließ cs durch Sir Christo-i pher Wren wesentlich verschönern und die Gartenanlagen erweitern. Die dem Schlosse

1 damals gegebene Gestalt von drei großen viereckigen Höfen ist noch die heutige. Früher

war es eine Zeit lang Staatsgefängniß Karl's 1. und nach dessen Tode Cromwell's Resi-denz. Karl ll., Jakob II., die Königin Anna, Georg I. und II. haben eS häufig bewohnt.! Seitdem hat kein engl. Monarch daselbst residirt, auch die Königin Victoria nicht. Die

j herrliche, daselbst aufbewahrte Gemäldesammlung, worunter die gefeierten Rafaels, ist

! a» bestimmten Tagen unentgeltlich, sonst für eine Kleinigkeit zu sehen.

! Hamster (Llurmotu >^icetus) ist ein den Mäusen zunächst verwandtes, mit inncrn

! Backentaschen versehenes, Mitteleuropa, aber auch Sibirien bewohnendes Nagethier. Der

> Hamster erreicht die Länge von > 5 Zoll, lebt in zwei bis vier Fuß tiefen Höhlen, die er im

j fetten Ackerlande ausgräbt und mit den besten Getraidekörnern zum Wintervorrathe an-

! füllt. Da ein einzelner bis > 00 Pf. Weizen zusammenträgt, das Weibchen zweimal im

Jahre>6 Junge wirft, so ist der durch die Hamster in manchen Gegenden angerichteteSchaden sehr bedeutend, und veranlaßt die Behörden, auf Einlieferung desselben Prämienzu setzen. Das Fleisch wird hin und wieder gegessen; die Felle, unter welchen die nordischendie besten find, verarbeitet man zu Pelzen.

Hämus, der alte Name des Balkan (s. d.).

Hanaken sind ein slawischer Vülksstamm in Mähren in der sogenannten Hanna,einem Districte von ungefähr 28 IHM. und dem fruchtbarsten Theile des Landes. Sie hal-ten sich für die Ureinwohner Mährens, sind ein kräftiger Menschenschlag und unterscheidensich von ihren Nachbarn durch einen eigenthümlichen Dialekt, durch Tracht und Sitte, so-wie durch Gastfreundschaft, Arbeitsamkeit, größer» Wohlstand und Stolz auf ihre Ab-kunft, weshalb sie sich auch nicht leicht vermischen. Musik und Tanz lieben sie leidenschaft-lich, und ihre Nationalmelodic» sind durch die vorherrschenden Molltonarten ausgezeichnet.

Hanau, eine Provinz des Kurfürstenthums Hessen, in der Wetterau, in der Nähedes Main und des Spessart, von der Kinzig durchströmt, ist ein wohlangebautes, frucht-bares Land von 28 O>M. mit 17000 E., Protestanten und Reformirten, die sich 1818 zu, Einem Cultus vereinigt haben. H. war seit dem 12. Jahrh. eine Grafschaft, deren danachbenannte Besitzer, eines der bedeutendsten Dynastengeschlechter jener Gegend, zu Ende des> 6- Jahrh. Erbtruchsesse des Erzstifts Mainz, bald auch kaiserliche Landvögte in der Wet-, terau wurden und, weil sie bereits 1343 die Primogenitur einführten, einen bedeutenden' Länderverein zusammenbrachten, sodaß derselbe 1420 als eine Reichsgrafschaft anerkanntwurde. Gleichwol theilten sich, nachdem sie die Grafschaft Lichtenberg im Elsaß erworbenhatten, die Söhne des Grafen Reinhard's II. im I. 1451 in zwei Linien, die Hanau-Münzcnbergische und dieHanau-Lichtenbergische. Jene erlosch mit Johann' Ernst 1642 und seine Besitzungen fielen an die jüngere Linie, deren Haupt 1606 in denFürstenstand und zum Director des wetterauischen Grafencollegiums erhoben wurde. Alsauch diese Linie 1736 mit Johann Reinhard II. im Mannsstamm erlosch, kam, zufolgeConv.-Lex. Neunte Aufl. VI. 39