L96 Hamburg
nöthig gewordene Anleihe von 32 Mill. auf 65 Mill. Mk. Banco sich erhöhten. Imengern Nathe des Deutschen Bundes hatH. mit den andern freien Städten eine Gesannnt.und im Plenum eine eigene Stimme. Zum deutschen Bundesheere stellt es >268 M.Nächst diesen hält es noch ein Bataillon Infanterie von 1656 M., zwei Compagnien Ar-tillerie und eine Schwadron Cavalerie zur Besetzung der Stadt. Außerdem ist in H. jederwaffenfähige Bürger von 22 bis 56 Jahren zum Dienste in der Bürgcrgarde verpflichtet,die acht Bataillone Infanterie, ein Jägerbataillon, eine Reiterschwadron und zwei Artil-leriecompagnien bildet, im Ganzen etwa 16666 M. zählt und vortrefflich ausgerüstet undeingeübt ist.
H. soll von Karl dem Großen dadurch begründet worden sein, daß er zu Anfängedes 6. Jahrh. auf der Höhe zwischen der Elbe und dem östlichen User der Alster als Vor-mauer gegen die benachbarten Heiden eine Burg und eine Kirche erbauen ließ. Dieeigenthümliche Lage des Orts an den Flüssen Alster und Bille, sowie an demjenigen Punkteder Elbe, wo die Flut aufhört, aus der See hinaufzutreibcn, war ein von der Natur selbstertheiltes Handelsprivilegium. Dieses und die Fischerei veranlaßten sehr bald Viele, sich da-selbst anzubauen. Obgleich die barbarischen Nachbarn diese Anlagen mehrmals zerstörten,so wurden sie doch jedesmal schnell wicderhergestellt und H. fortwährend durch neue An-baue erweitert. Als Handelsort begann es im 12. Jahrh. wichtig zu werden, begünstigtnamentlich von Kaiser Friedrich l., der 1166 die Elbe von H. bis zur Ausmündung vonjedem Zolle befreite, und Kaiser Otto I V., der H. zur freien Reichsstadt erhob. Bereits imBesitze eines ansehnlichen Gebiets und einer Menge Immunitäten hob sich die Stadl alsMitglied der Hansa (s-d.), zu der sie durch ihre Handelsverbindung mit Lübeck imJ. 1211den Grund legte, immer mächtiger empor. Auch kaufte sie immer mehre Güter und Dör-fer in der Nähe und 136 t das Amt Ritzcbüttel. Gegen Ende des II. Jahrh. begannenbedeutende Reibungen zwischen Rath und Bürgerschaft, die aber durch die Gefahren,welche von Außen der Stadt und der Hansa drohten, sehr bald in den Hintergrund ge-drängt wurden. Namentlich machten ihr die seeräuberischcn Vitalianer (s. d.) viel zuschaffen, sowie später Christian l. von Dänemark, der, eifersüchtig auf das Emporblükender Stadt, ihre Freiheit angriff. Auch nach dem Verfalle der Hansa wußte H. sich frei undseinen eigenthümlichen Handel blühend zu erhalten, und seine hanseatische Verbindung mitLübeck und Bremen bestand ununterbrochen bis 1816 und wurde auch 1813 und 1811wieder angeknüpft. Bis zum I. 1566 war indeß die Stadt auf den Winkel zwischen derElbe und dem östlichen Ufer der Alster beschränkt ; erst nach und nach wurde auch das west-liche Ufer, zum Theil durch geflüchtete Niederländer, bebaut. So entstand die Neustadt,welche in den ersten Jahren des Dreißigjährigen Kriegs schon so bedeutend war, daß mansie in die Festungswerke einschloß und so der Stadt ihre gegenwärtige Ausdehnung gab.Die Einführung der Reformation wurde ohne bedeutende Uuruhen durch den Receß vom18. Fcbr. 1528 zu Stande gebracht; doch im Besitze des Doms behauptete sich fortwäh-rend der Bischof von Bremen, und im westfäl. Frieden kam derselbe an Schweden undspäter mit dem Herzogthume Bremen an Hannover. Im I. >618 wurde H. von demReichskammergerichte die Reichsstandschaft ausdrücklich zuerkannt. Dieses gab Däne-mark Veranlassung, die Stadt mit Krieg zu überziehen, die nur durch große Opfer den Frie-den zu erkaufen und endlich zum ruhigen Besitze der Reichssiandschaft zu gelangen vermochte.Bereits ein Handelsplatz zweiten Rangs, nahm sie doch eigentlich noch keinen Antheil amWelthandel. Der DreißigjährigeKrieg, währenddessen ganzer Dauer sie keinen Feind in ih-ren Mauern sah, führte ihr eine Menge neuer Bewohner zu. Nichtsdestoweniger herrschte im17. Jahrh. eine fortwährende Unruhe, die wiederholt zu Aufständen gegen den Senat führteund im I. 1768 eine so gefährliche Revolte veranlagte, daß die angesehensten Bürger dasReich um Vermittelung angingen, worauf der Receß von 1712 zu Stande kam, auf dem dieVerfassung noch gegenwärtig beruht. Schnell, wie sich ihre Bürgerzahl durch neue Ein-wanderungen vom Rhein, aus den Niederlanden und aus Frankreich mehrte, hob sich auchihr Handel zur höchsten Blüte und wurde nun zum Welthandel, während dagegen ihreFa-briken durch die allenthalben erwachte Gewerbthätigkeit und die Einfuhrverbote fremderMächte zu verlieren anfingen. Besonders gewann ihr Handel durch den unmittelbaren